Wie kann man nur irgend etwas essen, das Augen hat! John Harvey Kellogg

The Host – Seelen

The Hosts – Seelen

Andrew Niccol (Gattaca, Die Truman Show, In Time) hat mit “ The Host – Seelen“ endlich mal wieder Science-Fiction „as its best“ geschaffen. Nämlich nicht einen waffenstarrenden Actionkracher, der den Zuschauer nicht abholt wo er ist oder die Pistole mit der Aufschrift „Friss oder stirb“ auf die Brust setzt.

“ The Host – Seelen“ ist ein Film, der eine echte Geschichte erzählt, die es wert ist erzählt zu werden, und gleichzeitig eine Fiktion erschaff, welche in sich geschlossen ist. Meine Kritik lautet…

Außerirdische haben die Erde besetzt indem sie „Körperfresser“-Manier die Körper der Menschen besetzen und steuern. Lediglich eine junge Frau namens Melanie Stryder, welche auf der Flucht nahezu Selbstmord begeht um ihren jüngeren Bruder zu retten, widersetzt sich ihrem Symbionten, dem Wanderer. Mittels innerem Dialog lernen sich beide kennen. Erst bekämpfen sie sich, doch mit der Zeit wächst eine innige Freundschaft.

Der Film erzählt die Geschichte eines besonderen Widerstands und einer besonderen Konstellation von Charakteren und schafft es endlich mal wieder die zentrale Möglichkeit des Science-Fiction auszuschöpfen.

Science-Fictions Chance

Man nehme einen Konflikt, eine Handlungsweise oder einen Charakterzug, verbinde ihn mit neuen technischen Möglichkeiten und  pervertiere das ins Unendliche und man erhält die Chance des Science-Fiction.  “ The Host – Seelen“ tut genau dies – und es ist dies, was mich begeistert. Ein innerer Konflikt, zwei Seelen in einem Körper. Das ICH, das ES … oder einfach nur der tägliche Konflikt vor Entscheidungen. Man kann viel in der Figur des Wanderers und seinem Wirt sehen.

Und auch die Aliens vermögen nicht das pure Böse darzustellen, haben sie doch unsere Fehler ausgemerzt. Sie haben, obwohl sie unsere Technik nutzen, eine bessere, eine harmonischere Kultur errichtet. Eine Gesellschaft, die auf Vertrauen basiert. Ein Miteinander ohne Waffen und in welchem die Waren des täglichen Bedarfs verteilt werden, nicht verkauft. Aus einer bestimmten Perspektive sind sie die besseren Menschen.

Und doch sind sie letztlich Besetzer, Invasoren auf einer Welt, die ihnen nicht gehört.

 

Tenor des Erzählens

Antonio Pinto (City of God, Lord of War) bedient sich vom Elektropop und Indie-Folk um dem Film eine ruhige und dennoch emotionale Erzählweise zu verleihen und die Story wirkt, trotz 2 Stunden Länge und vieler ruhiger Momente, nie langgezogen oder sperrig. Einige wenige Actionszenen passen sich passförmig in die sonst eher auf Dialog basierende Geschichte ein und treiben das Drama auf einen Höhepunkt zu, der zwar nicht explodiert, jedoch gewaltig ist.

The Hosts – Seelen

Quintessenz

Das emotionale Potential von “ The Host – Seelen“ mag vermutlich eher die Teenies unter uns ansprechen. Doch der geneigte Fan von Science Fiction und wie er eigentlich sein sollte, wird die moralisch und ethische Komponente des Film zu schätzen wissen. Action- und Ballerfans wiederum sollten die Finger davon lassen – deren Geist ist vermutlich nicht empfänglich für die feinen Töne des Films.

Komische Kritiken

Wie jeder Film erntet auch “ The Host – Seelen“ äußerst seltsame Kritiken. So schrieb „Thorsten“ auf critic.de, dass die Produzentin Stephenie Meyer, wohl eine Mormonin, „sich eine Widerstandszelle gegen eine totalitäre Bedrohung offensichtlich nur vorstellen [kann,] als verkitschte christliche Urgemeinde, versteckt in Höhlen, geführt von einem bärtigen strengen Patriarchen„. Und auch weiter lässt er kein gutes Haar am Film.

Doch dieser Thorsten macht einen eklatanten Fehler, durch den sich seine gesamte Kritik von vornherein selbst disqualifiziert! Er meint, dass Science-Fiction traditionell pessimistisch geprägt ist – also quasi nicht Utopie, sondern Dystopie das vorherrschende Thema ist.

Das ist schlicht und ergreifend Humbug. Filme wie Star Trek und Star Wars, welche die Vorzeigefilme des Science-Fiction sind, sind eben keine dystopischen Fortentwicklungen des Schlechten der heutigen Zeit sondern stellen moralische und ethische Ansprüche an uns, indem sie lediglich, und wie eingangs erwähnt, Details pervertieren – denn aus dieser Überspitzung wird ein Konflikt erst deutlich.

Langer Rede – kurzer Sinn

“ The Host – Seelen“ – Prädikat „sehenswert“


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29.06.13
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