Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben. Leo Tolstoi

Das Programm

Ein Mann geht die Straße lang,
und alle lachen laut und heiß,
sie sind jung und sie sind klug,
doch keiner ahnt, was dieser weiß.

Eine Mädchen verkauft ihre Freiheit,
zu Hause wartet ein Kind,
die Männer spritzen in den Mund,
nicht ahnend, dass sie Sättigung sind.

Schreiend, weinend, liegt er im Bett,
Arme gefesselt, Beine fixiert,
wer weiß denn schon,
wonach es ihm giert?

Die Spritze angesetzt,
drückt sie den Stoff,
ihr Leben versoffen,
nur Streit und Zoff.

Vor ihr kniend,
die Ängste zu dritt:
„Wenn wir getrennte Wege gehen,
nimmst Du mich dann mit?“

Wie sieht der Himmel aus,
sie kann es nicht sehen,
Gefühle verbrannt,
zu schwach um zu gehen.

Ein Typ sitzt am Rechner,
er schreibt diese Zeilen,
ist er sonst auch noch so stark,
ist er schwach, bisweilen.

Programme steuern was wir sind,
Programme, komplex und verrückt,
Kein Programmier, nur das Leben,
verdichtet, verdrängt, abgehungert und verdickt.


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26.11.16
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Adieu du Dresden – geliebtes, gehasstes Dresden

Adieu du Dresden - geliebtes, gehasstes Dresden

Adieu du Dresden – geliebtes, gehasstes Dresden

Du Dresden. Ich bin in Dir und in Dich hineingeboren. In Dir wuchs ich zum Mann, ich lernte Fahrradfahren und Lesen und Rechnen. In Dir lernte ich das Tanzen, die Liebe zur Musik, zur Kunst und letztlich auch zum Wort, sei es nun geschrieben oder gesprochen. In Dir fand ich meinen Lieblingsbäcker, meinen persönlichen Fahrradschrauber und den, schlechthin, perfekten Zahnarzt. In Deiner Neustadt lebte ich und liebte ich. Hier wurde ich zum freien Geist, zum kritischen Denker, zum Menschen. Deine vegane Küche ist fantastisch, einfach überragend. Einigen gilt es ein paar Worte zu sagen.


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27.08.15
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Der Kreisel

Damals, in Prag…

Manchmal, wenn mir langweilig ist, wenn ich irgendetwas tue, wozu ich keine Musik hören kann, oder aber wenn es mir besonders gut oder eben besonders schlecht geht, singe ich vor mich. Ich singe dann eigentlich keine mir bekannten Lieder sondern improvisiere irgendwelche Reime, mal mit mehr und mal mit weniger Sinn. Selbst die Melodie orientiert sich dann selten an vorhandenen Melodien sondern ist, wie auch der Text, Spiegel meiner momentanen Stimmung.

Und manchmal kommt es dann vor, dass da etwas entsteht, das nicht weiter bearbeitet werden muss sondern das inhaltlich und in der Form eigentlich so stehen bleiben kann.

Das folgende ist so ein Beispiel. Auf Arbeit entstanden hat es sich einfach so ergeben und ich musste mir nur noch selbst zuhören und mitschreiben.


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12.10.14
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3 Fragmente

Blick vom Tiger Cave Tempel, Krabi Thailand

Blick vom Tiger Cave Tempel, Krabi Thailand

Die folgenden zwei Texte liegen schon eine ganze Weile in meinem Archiv und wollen nun endlich das Licht der Welt erblicken. Der dritte Text ist aktuell. Möge jeder davon halten was er mag. Ich bin der Meinung, dass alle drei Texte letztlich das gleiche Thema bearbeiten – lediglich aus verschiedenen Perspektiven.

 

 


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07.10.14
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Meines Vaters Brief an mich

Dir Sohn.

Was erwartest Du von Deinem Leben? Was hast Du als erstrebenswert, als wertvoll, als glorreich erkoren? Du bist jetzt nun einunddreißig Jahre alt und was hast Du vorzuweißen? Was hast Du wirklich geleistet und was gedenkst Du, noch wirklich nachhaltiges zu leisten? Wie gedenkst Du Deinen Keil in den Leib der Welt zu treiben, dass die Erinnerung nicht vergeht an Dich, wenn Dein Körper längst verfault ist?

Glaube mir! All das ist wichtig zu ergründen. Es ist wichtig zu begreifen und zu verstehen, denn Deine Ziele und Deine Wünsche, Hoffnungen, Deine Ängste und Deine Nöte sind Du. Sie machen Dich aus wie der Mörtel die Mauer. Hast Du Türen und Fenster zur Welt um Dich geschaffen oder lebst Du in einem Bunker aus Einsamkeit?


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05.10.14
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3 ältere Gedichte – doch aktuell

Vor einigen Jahren schrieb ich einige Gedichte, von denen ich heute endlich drei veröffentliche. Das Interessante dabei ist, dass ich sie damals ohne Adressat schrieb, ohne auslösenden Anlass. Ich schrieb sie damals aus einer Laune heraus. Noch viel interessanter ist, dass jedes der Gedichte nach ihrer Entstehung dann irgendwann aktuell wurden und exakt das aussagten, was ich dann in diesem viel späteren Moment empfand.

War das dann prophetisch? Heißt das, dass wir imstande sind zukünftige Ereignisse und Entwicklungen des Lebens zu antizipieren? Oder ist es ein Fall von „self fulfilling prophecy“ – selbst erfüllender Prophezeiung? Habe ich unbewusst darauf hingewirkt, dass die Inhalte der Gedichte sich erfüllten? Oder ist das ein Beweis für die breite Interpretationsmöglichkeit von Texten im Allgemeinen?

Was immer es auch ist – hier sind die Gedichte.


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01.08.14
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Jedes Lächeln ist ein Himmel

Dieses Gedicht ist quasi eine Auftragsarbeit. Nachdem ich (wir) auf einem Poetry Slam waren meinte „sie“ ich solle doch auch mal so etwas schreiben … hier also ist nun das Ergebnis. Außerdem setzte ich mir selbst die Herausforderung zum Einen über sie und zum Anderen über ein Thema zu schreiben, das mir als erstes über die Zehen fliegt … dieses Thema war dann die Astronomie.


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07.12.11
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