Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer. Aischylos

T-Shirt soll Genick brechen

Holger Kreymeier, der Fernsehkritiker, hat verloren! Ich berichtete bereits über jenen verrückten Hanseaten, der den Mut hat sich mit den größten Verblödungsfabriken Deutschlands anzulegen. Aber beginnen wir mal gaaaanz vorn. Nämlich dort, als ein großer deutscher Privatsender die falschen Individuen verhöhnte.

Als Reaktion auf einen aufsehenerregenden Beitrag der RTL-Sendung „Explosiv“, in welcher sich ein dummes Blondchen und der Reporter aus dem Off über die Besucher der Camescom lustig machten, berichtete Kreymeier in seiner Folge 75 und bot fortan ein T-Shirt zum käuflichen Erwerb (siehe Bild). Auf jenem T-Shirt parodierte er den Slogan „Mein RTL“, in dem er das Possessivpronomen „Mein“ mit dem Fäkalwort „Scheiß“ ersetzte.

Man kann nun verschiedener Meinung sein. Ich persönlich empfinde diesen Vorgang als eine Vervollständigung, welche die Abkürzung “ Radio Télévision Luxembourg“ erst zu ihrer wirklichen Geltung und Sinnbehaftung führt. Denn der Sender stellt in der Tat ein Sammelsurium von schlechten, beleidigenden, menschenfeindlichen und durchweg sinnlosen Formaten dar.

RTL lies das natürlich nicht mit sich machen und strengte einen Prozess gegen Kreymeier an. Der Sender begründete dies damit, dass auf den T-Shirt das urheberrechtlich geschützte Logo verwendet wird und Kreymeier damit  gegen die markenrechtlich geschützte Verwendung der Wort-Bildmarke verstoßen habe. Außerdem fordert RTL, neben der Herausgabe sensibler Daten über Zulieferer und Hersteller der T-Shirts, dass Kreymeier quasi Stillschweigen über den gesamten Vorgang wahrt.

Weit gefehlt – liebes RTL!

Da Kreymeier das naturgemäß nicht mit sich machen lässt, kam es, wie es kommen musste. Die beiden trafen sich vor dem Kölner Landgericht und das Urteil wurde am 25.09.2012 veröffentlicht. Hiernach hat Kreymeier in beiden Streitfällen (T-Shirt mit „Scheiß RTL“ und Originallogo, T-Shirt mit „Scheiß RTL“ und Mülltonnenlogo) verloren. Kreymeier kündigte in seinem Blog sowie in Folge 101 seines Videoblogs an, zumindest gegen die Entscheidung des Verfahrens 33 O 731/11 (Mülltonnenvariante) anzugehen. Nach eigener Aussage sei die Urteilsbegründung äußerst dünn und angreifbar.

Gegen die Entscheidung des Verfahrens 33 O 719/11 wird er jedoch nicht vorgehen, da ihm das Geld fehle zwei Prozesse fortzuführen. Jene welche Kosten führt Kreymeier außerdem detailliert in seinem aktuellen Blog auf und bitte gleichsam um Spenden.

Meine Meinung

Kreymeiers Kampf ist, in meinen Augen, ein gerechter. RTL reagiert nicht nur äußerst dünnhäutig auf die, zugegeben provokante, Parodie Kreymeiers. Es werden vor allem Dinge mit Füßen getreten, die eine so wichtige freie Äußerung von Meinung (Artikel 5 GG) eigentlich gewährleisten sollen. Meinungsfreiheit, Parodiefreiheit und die Freiheit des Zitats sind die höchsten Güter unseres Landes und sollen nicht nur den Rückfall in faschistische Zeiten verhindern, sondern auch die offene, ehrliche und öffentliche Kritik an allem und jeden ermöglichen.

RTL, der Sender mit den höchsten Marktanteilen, erreicht dies jedoch über Werkzeuge, die mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar verachtenswert sind. Hier werden kategorisch Menschen vorgeführt, belogen, betrogen und der Lächerlichkeit preis gegeben. Die Folgen für die Menschen, die samt und sonders unter Vorspiegelung falscher Tatsachen vertraglich geknebelt, genötigt und zum Teil gar bedroht werden, sind enorm und reichen von seelischen Schäden bis hin zu Benachteiligungen in der realen Welt.

Die Kritik an RTL und dergleichen Sender und Formate jedoch steht in keinem Verhältnis zu den Folgen. Hier agiert Kreymeier als nahezu einsamer Ritter im weiten Feld. Seine satirische Kritik ist nicht nur berechtigt und äußerst gut recherchiert (was von den Beiträgen RTL nur selten behauptet werden kann), er tut dies jedoch vor allem in einer Art und Weise, die nicht arrogant und abgehoben wirkt. Denn anders als sein Gegner hört Kreymeier auf seine Freunde, seine Fans und das, was neudeutsch als „Community“ bezeichnet wird.

Fakt ist…

dass Kreymeier Geld brauch!

In seinem Blog spricht Kreymeier von „kurzfristig 10.000 Euro und mittelfristig weitere(n) 15.000 Euro„, welche in dem Fall benötigt werden, in welchem er auch in der nächsten Instanz unterliegt.

Die Spendenuhr steht also auf 25.000 Euro … Kacke! Das ist viel Geld!

Ich habe, für meinen Beruf  naturgemäß, nicht viel Geld und mag mir nicht mal ausmalen, was ich täte, hätte ich solch eine Forderung auf dem Tisch. Dennoch spendete ich, aus den oben genannten Gründen, Zwanzig Euro und hoffe, dass Kreymeier wenigstens in der nächsten Instanz auf vernunftbegabte und denkwillige Richter trifft.

Andernfalls könnte es sein, dass sein Vorbild Schule macht und keiner mehr mittels dem Werkzeug der Satire und der Parodie den Großen und Mächtigen die Meinung geigen kann.

Ich hoffe, dass möglichst viele meinem Beispiel folgen und, unabhängig ihrer Meinung zum konkreten Beispiel, den Kampf des David gegen Goliath unterstützen.


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2 Kommentare
30.10.12
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2 Antworten zu “T-Shirt soll Genick brechen”

  1. Mark sagt:

    Ich war selbst im Gerichtssaal und muss echt sagen, dass der Richter nicht einmal wirklich die Argumente von Herrn Kreymeier hören wollte. Wenn man sich dann mal überlegt, dass die Begründung des Urteils wirklich abgeschrieben und dumm war, fragt man sich, wohin das eigene Steuergeld für solche Richter hinfließt. Der Prozess kostet tausende Euro und ein Richter hat wochenlang Zeit, kann aber keinen eigenen Text verfassen. Sorry, tut mir leid, aber dieser Schritt von Herrn Kreymeier halte ich für notwendig. Ob zwei, drei, fünf, zehn, zwanzig oder hundert Euro oder zehn Cent, spendet. Dieser Konzert treibt Menschen in den Ruin und verarscht andere. Das kann nicht weitergehen.

  2. Tom sagt:

    Jeder, der Verstand hat, sollte spenden. Wie von Kreymeier gesagt, nur harte Mittel kann man dagegen anwenden.

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