Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell

Stell Dir vor, Du möchtest leben!

Dresdner Rettungswagen im Einsatz

Stell Dir vor Du wärst ein Mensch. Du gingest über eine beliebige Straße an einem beliebigen Tag. Du erreichst Dein Ziel nicht, denn ein Fahrzeug hatte etwas dagegen. Du blutest. Deine Knochen sind gebrochen. Du hast Schmerzen. Du liegst da und bis völlig hilflos. Dein Herz pocht in Deiner Brust und pumpt das Blut auf die Straße. Du denkst vielleicht an Deine Frau, an Deinem Mann, vielleicht an Deine Mama oder Deine Kinder. Sie sind jetzt so weit weg.

Du hörst eine Sirene. Ein Mensch beugt sich über Dich und ruft etwas. Du verstehst ihn nicht. Dir fehlt die Luft zum Reden. Doch Du kannst noch denken. Was wirst Du von dem Menschen denken? Was wirst Du erwarten? Er fasst Dich an. Er bedeckt mit seiner Hand Deine Wunde. Er ist der Mensch, der Dir das Leben retten wird … hoffst Du. Du glaubst ihn schon seit Jahren zu kennen. Er wirkt vertraut, denn er ist einer wie Du – ein normaler Mensch. Ein normaler Mensch mit Hoffnungen, mit Ängsten und mit Träumen.

Was erwartest Du von diesem Menschen?

Du erwartest das Beste von ihm! Er möge die beste Technik nutzen um Deine Wunden zu verbinden. Er möge die beste Medizin nutzen um Deinen Schmerzen zu nehmen. Er möge das beste Fahrzeug fahren um Dich sicher, schnell und schmerzarm in die Klinik zu bringen. Er möge hoch motiviert sein um nicht aus Faulheit oder Schludrigkeit Fehler zu begehen. Er möge hervorragend aus- und weitergebildet sein um genau zu wissen, was er tun muss.

Das alles und keinen Deut weniger erwartest Du – es geht um Dein Leben. Dein Leben! Das einzige, was Dich von einem Stein unterscheidet!

Soll ich Dir sagen, wer dieser Mensch ist? Möchtest Du wirklich wissen, wer da gerade Dein Leben in seinen Händen hält?

Er ist Rettungsassistent. Er hat sich für diesen Beruf entschieden um Menschen wie Dir zu helfen, um Leben zu retten, Leiden zu lindern, Schmerzen zu nehmen und in Deinem Namen um Dein Recht zu leben gegen das Schicksal zu kämpfen!

Für seine Stelle bezahlt die Krankenkasse 2700,00 Euro. Davon sieht er, wenn er Glück hat, 1700,00 Euro. Doch das Glück haben die wenigsten seiner Zunft. Die meisten bekommen für ihr Engeldasein um die 1000,00 Euro – ohne Zuschläge.

Jetzt denkst Du, dass er dann sicher nicht allzu viel arbeiten muss. Denn die zeitliche Belastung würde vielleicht seine Motivation noch mehr drücken, als sein geringes Gehalt. Doch ich sage Dir, dass dieser Mensch jede Woche 40 Stunden arbeitet, wenn er Glück hat, denn zumeist sind es eher 48 Stunden. Das sind über 200 Stunden im Monat!

Nun gut, wirst Du denken, aber dann hat er sicher die beste Technik zur Verfügung und ist unglaublich gut weitergebildet – er weiß immer, was internationale Standards diktieren – er weiß immer, was zu tun ist!

Aber der Mensch, der Dein Leben gerade rettet, wurde gerade mal 2 Jahre ausgebildet – und für diese Ausbildung musste er zahlen. Sein Fahrzeug und seine Technik erfüllen, nach einem neuen Gesetz, lediglich den mindesten Standard und ist weit davon entfernt auf dem aktuellen Stand der Forschung und der Wissenschaft zu sein. Das Auto, das Dich fährt, die Beatmungseinheit, die Deine Lungen mit Luft füllen, die Trage, auf der Du liegst. Dies alles ist uralt – erfüllt aber den Mindeststandard, das heißt es geht … aber wie?

Du solltest eigentlich eine Flüssigkeit in die Venen bekommen. Du hast viel Blut verloren und brauchst das dringend! Doch der Mensch findet keine Vene die er punktieren kann … es fehlt das Blut um sie sichtbar zu machen. Und er hat keine Alternative. Früher hätte er mit einer neuen Technik Deinen Knochen anbohren können. Du hättest überlebt! Heute fehlt das Geld für diese Technik!

Du stirbst auf dem Weg in das Krankenhaus. Deine Lungen waren kollabiert, Dein Blut fehlte um Dein Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen. Dein Leben verliert jede Perspektive, weil ein ehemals hochmotivierter Mensch selbst keine Lebensperspektive mehr sieht. Denn seine Stelle und sein Gehalt sind die einzigen Punkte, an denen die Krankenkassen noch hätten sparen können. Deswegen muss er aller 5 Jahre um selbige bangen.

Du stirbst, weil das Geld fehlt!

 

Und jetzt stell Dir vor, Du wärst nicht irgendein Mensch gewesen. Stell Dir vor, Du wärst ein Abgeordneter des sächsischen Landtags gewesen und hättest die Macht gehabt, dies alles zu ändern!

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10.05.12
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