Die Freiheit ist ein Gut, das alle andere Güter zu genießen erlaubt. Charles de Secondat

Schritt 2 – Vom Gold zur Schuld

Im ersten Schritt dieser Reihe beschrieb ich, wie Geld ursprünglich entstand und funktionierte. Was jedoch im letzten Teil nur kurz angekratzt wurde möchte ich heute ausführlicher beschreiben – nämlich wie Geld heute entsteht und funktioniert.

Die Ware „Schuld“

Wie Geld unabhängig von realen Werten, also Gold oder einer anderen Rücklage, entstehen kann ist eigentlich gar nicht schwer zu verstehen. Dennoch glauben immer noch viele Menschen, dass jedem Euro ein realer Wert entgegen steht. Das dem eben nicht so ist möchte ich an einem kleinen Beispiel erklären.

Ich habe einen Nachbarn. Dessen Vorgarten muss gemäht werden. Da er aber dazu keine Lust hat bittet er mich darum. Ich mähe seinen Vorgarten und erhalte dafür ein Stück Papier auf dem folgendes steht:

Hans schuldet Ulf 2 Stunden Arbeit im Haushalt oder in der Gartenpflege.

Diesen Schein nehme ich und bewahre ihn auf. Irgendwann, wenn ich es brauche, werde ich diesen Schuldschein bei ihm einlösen, denke ich. Doch direkt am nächsten Tag geht mein PC kaputt. Hans kann keine PCs reparieren, dafür aber Martin, mein anderer Nachbar.

Also bitte ich Martin und gebe ihm, anstatt einen neuen Schuldschein auszustellen, einfach den Schuldschein von Hans. Jetzt kann Martin jederzeit zu Hans gehen und um 2 Stunden Hausarbeit bitten. Mit der Übergabe des Schuldscheins habe ich mit Schuld gehandelt, denn meine Schuld bei Martin ist getilgt und wurde auf Hans übertragen. Jetzt kann Martin jederzeit zu Hans gehen und seine 2 Stunden Arbeit einlösen.

Das Schuldversprechen ohne Ware

Dieses Beispiel belegt gut, dass mittels einer Schuld Geld entsteht, denn der Schuldschein von Hans wurde als Tauschwert von Martin akzeptiert – und Geld ist nichts anderes, als ein von allen akzeptiertes und universales Tauschmittel. Blöd ist nur, dass die Fahnenstange weitergeht.

Nehmen wir unser Beispiel und pervertieren es in Richtung der Realität.

Tatsächlich habe ich bei Hans gar keine Arbeit geleistet, mein PC ist dennoch kaputt. Ich habe aber keine Ware und keine Schuldscheine mit denen ich Martin für die Reparatur bezahlen könnte. Also gehe ich zu Hans und sage folgendes:

Hans! Ich brauche einen Schuldschein, mit welchem ich Martin bezahlen kann. Alles, was ich aber bieten kann, ist mein unterschriebenes Versprechen dir diese Schuld in einem Jahr zu begleichen.

Hans füllt jetzt also einen Vertrag aus, der wie folgt aussieht:

Ulf schuldet Hans 2 Stunden Arbeit. Wobei Ulf diese 2 Stunden innerhalb eines Jahres leisten muss. Dafür erhält Ulf einen Schein im Wert von 2 Stunden Arbeit – genannt Geld.“

Jetzt zaubert Hans und gibt mir Geld im Wert von 2 Stunden Arbeit. Dieses Geld existierte vorher nicht, es konnte nur entstehen, weil ich in einem (Kredit-)Vertrag bescheinigt habe es zurück zuzahlen. Es ist also ein Wert entstanden, der, außer meinem Versprechen, keinen Gegenwert besitzt.

Damit gehe ich zu Martin, gebe ihm den Geldschein und lasse meine PC reparieren.

Und nun? Wie soll ich meinen Kredit wieder auslösen? Wie soll ich an einen Geldschein über 2 Stunden Arbeit herankommen um meine Schuld bei Hans zu begleichen? Das ist ein Dilemma, welches sich sogar verstärkt, denn Hans ist natürlich nicht blöd sondern verlangt nicht einfach nur 2 Stunden Arbeit von mir. Er verlangt, als Gewinnspanne, 10 Minuten extra – Zinsen! Diese Zinsen behandeln wir jedoch später.

Die zentrale Geldschaffung

Wie in unserem letzten Beispiel verhält es sich in der Welt. Hans stellte die sogenannten „Zentralbanken“ und „Kreditbanken“ (auch Geschäftsbanken genannt). Wollen Kreditbanken Geld haben, gehen sie zu den Zentralbanken und leihen sich Geld, das „Zentralbankgeld“. Sie bekommen dieses Geld gegen ihre Unterschrift es zurückzuzahlen. Der Zinssatz, welchen sie bezahlen müssen, ist der sogenannte „Leitzins“ und wird die Zentralbanken selbst festgelegt. Das Geld selbst wurde von der Zentralbank aus dem Nichts erschaffen.

Die perverse Geldschaffung

Dieses Geld, das sich nun bei den Geschäftsbanken befindet, dürfen diese, im Rahmen des Gesetztes, verhundertfachen!

Wie machen die das?

Gemäß Gesetz darf eine Bank für jeden Euro, den sie besitzt, Kredite im Wert von 100 Euro vergeben. Das heißt, dass sie 99 Euro ebenfalls wieder aus dem Nichts zaubern können. Doch damit nicht genug!

Gehe ich also zu einer Bank und leihe mir 99 Euro (wovon lediglich 1 Euro realer Geldwert als Rücklage bei der Bank liegen) und gebe diese 99 Euro einer anderen Bank, dann darf diese natürlich das Gleiche machen. Sie legt also meinetwegen 99 Euro als Rücklage zurück und darf dann wieder das neunundneunzig fache der Rücklage in Form von Krediten vergeben. Und so weiter und so fort.

Die im System laufende Geldmenge wird also bei jedem Kredit immer größer und größer und größer – ohne aber, dass sich die Menge der verfügbaren Dienstleistungen Waren ähnlich stark vermehren können.

Und das Ende des Geldes?

Wenn also nun Geld aus dem Nichts erschaffen werden kann, kann das Geld auch wieder in das Nichts vernichtet werden?

Ja

Da jedes Geld, wie wir gesehen haben, nur dann entsteht, wenn irgendjemand Schulden gemacht hat, kann Geld auch vernichtet werden. Nämlich dann, wenn Martin zu Hans geht und den Schuldschein einlöst. Wenn also Hans die 2 Stunden Arbeit für Martin erledigt hat, fordert er seinen Schuldschein und zerreißt ihn.

Das Geld „Schuldschein“ ist vernichtet.

Genauso funktioniert das im Großen eigentlich auch. Wenn ich einen Kredit von 100 Euro der Bank zurückzahle, dann ist das Geld nicht mehr existent. Es verschwindet einfach aus den Bilanzen. Es ist aus dem Nichts entstanden und vergeht, bei Tilgung der Schuld wieder ins Nichts.

Wo ist jetzt das Problem dabei?

Über die Krux dieses System schreibe ich im nächsten Teil dieser Reihe.

Bis dahin hoffe ich einige Missverständnisse geklärt haben zu können.


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1 Kommentare
15.07.12
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Eine Antwort zu “Schritt 2 – Vom Gold zur Schuld”

  1. Phil sagt:

    Der Absatz „Die perverse Geldschaffung“ (egtl GeldSCHÖPFUNG) ist inhaltlich falsch, es muss keine Mindestreserve für den ausgezahlten Kredit angelegt werden, sondern für die Sichtguthaben (und mit abstrichen auch andere Guthaben), also die Forderungen der Kunden gegenüber der Bank! Aus den 99 geliehenen Euro können auch nur dann weitere gemacht werden wenn es sich um 99 Euro geldmenge M0 also geldscheine handelt (wenn mir die Bank allerdings die Geldscheine aushändigt ist es ja nicht zur Gelschöpfung gekommen… wenn es sich bei den 99 Euro lediglich um Forderungen gegenüber der Bank handelt (geschöpftes Geld / Giralgeld) kann die Geldmenge von der neuen Bank NICHT weiter erhöht werden und darf eben nicht „wieder das neunundneunzig fache der Rücklage in Form von Krediten vergeben. Und so weiter und so fort.“ Ich bitte die Fehler zu berichtigen, da es so einfach überhaupt keinen Sinn ergibt.

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