Die Menschen gehen lieber zugrunde, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern. Leo Tolstoi

Montagsdemos versus “Die Welt” #2

Die Montagsdemos und ihre nur wenig umgrenzte Thematik haben gestern in Halle und Leipzig Kräfte auf den Plan gerufen, welche versuchten die Mahnwachen zu stören. Der Tenor in beiden Städten lautete, dass die Mahnwachen entweder von Nationalsozialisten, Faschisten und/oder Antisemiten unterlaufen werden oder die Veranstalter selbst solche wären.

Ich war in Leipzig dabei, als Redner und Beobachter, und habe die Szenerie mit gemischten Gefühlen erlebt. Ich möchte versuchen mich dem Thema „Antifa“ etwas zu nähern.

Antifa.schistische Aktion

Die antifaschistische Bewegung hat ihren Ursprung im Italien der 1920er Jahre und setzte sich dann in Deutschland fort. Mit der Machtergreifung der beiden Unmenschen Mussolini und Hitler endete der Widerstand im Rahmen dieser Bewegung recht abrupt.

Erst in den 1980er Jahren gründete sich eine Bewegung neu, welche sich vor allem aus dem Kreis der Hausbesetzer und Autonomen-Bewegungen rekrutierte. Bis heuten sammeln sich dann auch Vertreter unterschiedlichster Gruppen unter dem 1932 von zwei der KPD nahe stehenden Grafikern erstelltem Logo mit den zwei Flaggen.

Die Ziele der Antifa sind recht einfach zu umschreiben: Ablehnung von Faschismus, Rassismus und Nationalismus sowie Aufklärung über neue Gruppierungen, Ströme und Bewegungen, die in diese Richtung tendieren.

Die Menschen hinter der Antifa kommen jedoch tatsächlich aus so grundverschiedenen Richtungen, dass man ihr gemeinsames Engagement in der Bewegung durchaus als „kleinsten gemeinsamen Nenner“ bezeichnen könnte. Was Frau Jutta (Gerta Armgard von) Ditfurth also bereits über die Teilnehmer der Montagsdemos sagte, nämlich dass jene einen kleinsten gemeinsamen Nenner suchen und sich darüber hinaus sonst die Schädel einschlagen würden, könnte man ebenfalls über die Mitglieder der Antifa sagen.

Was jene Menschen eint, ist der Hass auf und die Angst vor einem wiedererstarkten Faschismus und Antisemitismus. Und im Rahmen dieser Bewegung vergessen sie ihre eventuell sonst bestehenden Differenzen und Meinungsunterschiede um dem gemeinsamen Feind zu bekämpfen. – So weit, so gut. –

Die Vorfälle

Auf der Leipziger Montagsdemo „Nie wieder Krieg & Faschismus“ kam es zu wilden Diskussionen und Redebeiträgen von Mitgliedern der Antifa während der Demo, sowie zu intensiven Diskussionen nach der Demo. Laut „ihnen“ befanden sich innerhalb des Publikums Leute, die entweder zum rechten Spektrum zu zählen sind oder direkt Mitglieder der NPD sind.

Es vielen dann Worte wie „Ich demonstriere nicht mit Nazis“ oder „Entweder die gehen oder ich„. Und der Organisation der Demo wurde ziemlich offen gedroht, man würde die Demo „sprengen“ bzw. die Antifa „nicht mehr zurück halten„, würde sie nicht dafür sorgen, dass jene Menschen die Demo nicht mehr besuchen könnten. Es wurden also umfangreiche Bedrohungsszenarien vermittelt, welche letztlich die Hauptanmelderin der Demos zu Tränen beängstigte.

Nie wieder Krieg & Faschismus

Ein Herr, welcher von sich behauptete seit vielen Jahren antifaschistische Arbeit zu machen, war derart aggressiv und agitiert, dass keine normale Diskussion mehr möglich war. Während der Demo stand er wohl sogar in einigem Abstand und rief völlig aufgelöst jedem Passanten zu, dass diese Demo eine Nazidemo währe.

Das Grundproblem

Die (Leipziger) Montagsdemo ist eine Mahnwache, welche die Forderung nach Frieden absolut in den Mittelpunkt stellt. Um dieses zentrale Thema wurden von den Veranstaltern wichtige und richtige Kritikpunkte und Forderungen formuliert, welche ihrer Meinung nach unmittelbar mit dem Ziel, Frieden für alle Menschen zu schaffen, verknüpft sind.

Die Geschichte hat gezeigt, dass Faschisten (und erst recht deren deutsche Spezialform „Nationalsozialisten“) schon immer sehr gut darin waren, bei anderen abzuschreiben und Themen zu vereinnahmen, die ihnen entweder ganz gut in den Kram passen, oder deren Brisanz eine mediale Öffentlichkeit verspricht.

Liest man sich das 25-Punkte-Programm der NSDAP, das Programm der NPD oder die medialen Verlautbarungen aller faschistischen, antisemitischen oder revisionistischen Bewegungen durch, dann findet man schnell scheinbar „normale“ Punkte, die genauso auch von Linken oder „Normalos“ hätten formuliert werden können.

Zum Beispiel ist die Kritik am Zinseszins schon so alt, wie die Religionen im Morgenland. So findet man, um nur ein Beispiel zu nennen, bereits im alten Testament den Passus:

Falls du (einem aus) meinem Volk, dem Elenden bei dir, Geld leihst, dann sei gegen ihn nicht wie ein Gläubiger; ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen

Und auch noch vor der Vereinnahmung der Zinskritik durch die Nazis in den 1920er Jahren beschäftigten sich viele Theoretiker mit diesem Thema.

Und also ist die Kritik am Zins, wie eben auch sehr viele andere, auf den Montagsdemos genannte Kritikpunkte, kein originäres Thema des Faschismus. Sondern viel mehr ein durch den Missbrauch des Faschismus kaum noch anzusprechendes Thema, dessen inhaltliche Kritik deswegen aber keinen Deut an Relevanz verliert.

Es ist also selbstverständlich und zwingend, dass sich auf einer Demo, welche derlei Themen anschlägt, der eine oder andere Nazi unter das Publikum mischt. Denn natürlich möchten jene Subjekte diese Themen für sich beanspruchen und sich im Zuge der Demos profilieren und medial vermarkten.

 Unmöglicher Kampf – Geister gegen Fäuste

Die Antifa, deren Ziele vermutlich absolut ehern sind, begeht in meinen Augen 2 massive Fehler:

1. Verwechslung des Feindes

Das Ziel der Antifa ist es ja eigentlich, den Faschismus, den Rassismus und der Antisemitismus auszumerzen. Ihr Ziel ist also das Verhindern des Wirksamwerdens von Ideologien (insofern man sie so nennen kann).

Luftballons

Ihr Ziel sollte es demnach sein, den Faschismus, den Rassismus und den Antisemitismus in den Köpfen der Menschen zu bekämpfen.

Aber was taten sie gestern auf dem Leipziger Augustusplatz? Sie bekämpften, oder drohten mit der Bekämpfung, der Faschisten, der Rassisten und der Antisemiten selbst. Und damit sind sie, in meinen Augen, keinen Deut besser, als ihre ernannten Feinde.

Es ist ein enormer qualitativer Unterschied, ob ich die Meinung eines Menschen bekämpfe – oder ihn selbst! Das eine ist, im aggressivsten Fall, eine leidenschaftliche Diskussion, eine große Kampagne zur Aufklärung der Menschen. Das andere ist, im aggressivsten Fall, Körperverletzung, Mord und Leid.

Ich will nicht, dass irgendein Mensch verletzt, gejagt oder misshandelt wird. Denn wer Menschen im Namen des Kampfes gegen den Faschismus jagt, der ist selber ein Faschist – und das nicht zu knapp!

2. Geforderte Distanzierung

In einer Demokratie (von δῆμος dēmos ‚Volk‘ und -kratie: κρατία kratía ‚Herrschaft‘) sollte es jedem Menschen vergönnt sein, offen und ehrlich seine Meinung kundgeben zu können. Die Montagsdemos behaupten von sich selbst demokratisch zu sein. Und die Orgas der Montagsdemos verwiesen mehrfach, wiederholt und mit Nachdruck, dass die unparteiisch (im Sinne von „nicht für eine politische Partei die Stimme erhebend“) und weder links noch rechts auftreten wollen.

Sie haben sich an vielen Stellen, auf den Demos selbst, im Internet und in Interviews, mehrfach und wiederholt von allen Unterwanderungsversuchen durch rechte Gruppen distanziert und haben klar darauf verwiesen, dass jeder Mensch willkommen ist, wenn er für die Sache des Friedens eintritt.

Dass sich dennoch Nazis unter die Menschen mischen ist also nur natürlich, denn insofern sie ihre kranke Meinung nicht kundtun und nicht versuchen, die Menschen durch Manipulation „umzudrehen“ – solange sie also, wie jeder andere Mensch auch, sich für den Frieden (und eben auch gegen den Faschismus) einsetzen, so sind auch sie, als Menschen, willkommene Gäste.

So sehe ich das!

Und doch reicht das den Leuten der Antifa einfach nicht. Sie wollen noch mehr Distanzierungen – jeden Tag liest man im Internet, dass jene oder jene Organisation eine „klare Distanzierung von rechts“ fordert.

Liebe Leute! Geht doch mal hin und hört den Redner zu! Dann würdet ihr Euch auch endlich dazustellen und nicht mehr nach links oder rechts spähen. Dann würdet ihr vielleicht endlich verstehen, dass die Gräben in Euren Köpfen die wahre Gefahr sind!


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15 Kommentare
29.04.14
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15 Antworten zu “Montagsdemos versus “Die Welt” #2”

  1. Frank Fiebiger sagt:

    Einen solchen Beitrag hätte ich von Dir nicht erwartet lieber Ulf. Das macht Hoffnung!! Danke und weiter so !

  2. Hans sagt:

    Wer oder was sind denn die Faschisten und wo werden wir sie finden?
    Mussolini selbst definierte Faschismus als „Verschmelzung von Großkapital und Staat“ der folglich auch „Corporatismus“ genannt werden könne.
    Quelle: http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Faschismus.html

    Und wie ist das mit den Nazis…?
    Und wer hat den Verbotsversuch der NPD angezettelt…? Und warum missglückte der Verbotsversuch…?
    Und wie ist es mit den NSU-Morden…? Und wie ist es mit dem NSU-Prozess…?
    Und wer schwingt gegen wen die Nazikeule…?
    Und…, und … und….

    Wenn wir das Teil, das uns die Schöpfung zwischen unsere Ohren gelegt hat einschalten und unvoreingenommen und logisch benutzen, bekommen wir ganz verblüffende Antworten zu den vorgenannten Fragen.
    Wenn du daraufhin dein Denken und Tun konsequent, im Sinne der universellen kosmischen Gesetze und unter Hochachtung aller Lebewesen dieses Universums ausrichtest, bekommt dein Leben eine wundersame Wende.
    Wann wirst du beginnen?

  3. Bernd sagt:

    Der Verfassungsschutz hat eben, ähnlich wie bei den Nazis seine Truppen in der Antifa – unter anderem um Eskalationen anzustacheln. So gesehen kann man vieles nachvollziehen was Rechts- wie auch Linksextremisten tun.

  4. der revoluzer sagt:

    da haben die Demonstranten doch echt gewagt zu demonstrieren ohne die Demoplakate und Redner vorher bei dem Politbüro der Antifa anzumelden – hier geht Demokratie einfach zu weit – wenn die nicht so wollen wie dei Antifa will dann darf nicht demonstriertw werden denn Demokartie hört ausserhalb der Antifa auf

  5. Frau Hoffmann sagt:

    Sehr schön geschrieben.. Super!! Weiter so. Es ist wichtig das auch die Linken erkennen, das eine extreme Einstellung und Gewalt NIE zum Ziel führen kann.

  6. Detlef Wolff sagt:

    Sowohl Rechts- als auch Linksextremismus fangen im Kopf an. Wenn man dort nicht bereit ist, seine vom System, den Medien oder Gruppen auferlegten Scheuklappen abzulegen, kann man auch weiterhin an die Demokratie „glauben“ und darauf hoffen, dass alles besser wird. Wer selbst denkt, offen und friedlich auf andere zugeht und Frieden als oberstes Ziel hat, der sollte das zum Ausdruck bringen und auf die Strasse gehen! Wir werden immer mehr! …Und kein Linksextremist oder Autonomer ist auch nur einen Deut besser als sein Pendant auf der rechten Seite!
    Danke für Deinen Beitrag… und macht bitte bitte weiter! Es gibt noch viel zu viele, die lieber zu Hause sitzen, den Medienmüll glauben und lieber zuschauen. Stellt die Frage, wem nützt die eine oder andere Darstellung etwas! Das ist ein Anfang!

  7. Markus sagt:

    Ich kann die „linken“ unter uns und auch die antifa gut verstehen. ABER ihr vergesst eine wichtige sache: unser Ziel ist es mit allen Menschen Frieden zu schließen, und mit allen Bürgern einen gemeinsamen Nenner zu finden. Und damit meine ich alle! Wir müssen uns auch diesem Problem stellen, sonst können wir es gleich sein lassen. Wenn wir alle Leute ausgrenzen die uns evtl gefährlich werden könnten sind wir nicht besser als andere. Und versteh mich bitte nicht falsch, ich hätte selber persönliche gute gründe die Rechten da wegzuschicken. Das kannst du mir glauben!! Aber ich lasse diese persönlichen gründe zu Hause. Wir wollen Demokratie. Das heisst jeder, und wirklich jeder wird akzeptiert. Wenn dort einer ein Problem mit dem anderen hat und das gewaltfrei und friedlich klären kann und will dann kann er das bei uns tun! Wenn’s einer nicht auf die Reihe bekommt dann sollen sie sich beim Fussball treffen und auf die schnautze hauen oder sonstwas wenn sie denken sie brauchen es. Aber bei uns ist Ruhe. Das gilt für beide Seiten! Wenn wir das schaffen haben wir gewonnen, und ja das ist heikel, und ja das kann schief gehen. Aber es ist der einzige weg, und ich habe den Mut dazu!

  8. Jan sagt:

    „Dass sich dennoch Nazis unter die Menschen mischen ist also nur natürlich, denn insofern sie ihre kranke Meinung nicht kundtun und nicht versuchen, die Menschen durch Manipulation “umzudrehen” – solange sie also, wie jeder andere Mensch auch, sich für den Frieden (und eben auch gegen den Faschismus) einsetzen, so sind auch sie, als Menschen, willkommene Gäste.“
    Ernsthaft? Wie soll das funktionieren? Nazis die sich gegen Faschismus einsetzen? Merkst du nicht das dort schon der Grundfehler liegt? Indem man diese Leute gewähren lässt, und seih es nur durch daneben stehen ohne etwas zu sagen, gibt man ihnen seriösität. Das kann nicht der Sinn sein.

    • Detlef Wolff sagt:

      Hi Jan, frei nach dem Motto „Wer sie nicht ausschliesst, schliesst sie ein?“… Wie ist das bei Dir an der Tankstelle oder im Netto? Stellst Du Dich dort auch nicht neben den Nazi oder den, der so aussehen könnte? Gibt bestimmt auch Autofahrer, die in der NPD sind. Sollte man denen den Führerschein wegnehmen? Ich will diese Menschen auf gar keinen Fall gutheißen, aber wo fängt es an und wo sind die Grenzen????

    • Dom sagt:

      sorry jan, aber die antifa-bewegung ist auch eine faschistische bewegung! wenn wir den wahren faschismus bekämpfen wollen dann müssen wir miteinander kommunizieren und kooperieren und uns nicht auseinander dividieren lassen! wir müssen uns unpolitisch und unparteiisch machen und gemeinsam für ein gerechteres system und für den frieden auf die straße gehen!

    • klaus sagt:

      führerschein ja. da wo politische auseinandersetzung beginnt, sind nazis auszuschließen. das ringen um frieden ist politisch, was sonst. frieden kann man nur international denken und praktizieren.

  9. Zapata Fog sagt:

    DANKE, DANKE, DANKE !! Ich hoffe Du bleibst am Ball, & hörst mit dem Schreiben nicht mehr auf. yours

  10. Rico sagt:

    Sehr schön formuliert. Das werd ich auf jeden Fall erstmal verlinken…!
    LG Rico

  11. Daniel sagt:

    Jop, ich hoffe, dass geht den Antifanten eines Tages mal in die Köpfe.

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