Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben. Leo Tolstoi

Medienwirklichkeit – Medienrealität

Medienrealität

Was ist wahr? Oder welche Wahrheit – besser noch – wessen Wahrheit ist jene, die der wahren Wahrheit am Nächsten kommt? Die Medien überhäufen uns mit Wahrheiten und Fakten – mit Informationen, die wir als Wahrheit annehmen sollen. Und was bleibt uns anderes übrig? Unmöglich können wir überall sein, denn Omnipräsenz ist keinem geschenkt. Wir müssen filtern, müssen vertrauen und misstrauen … müssen wir das denn? Reicht es vielleicht auch einfach zu schlucken?

Nähern wir uns diesem Thema mal etwas an.

Begriffserklärungen

Realität – Das Wort selbst stammt, wie so vieles, vom dem lateinischen Wort res, was „Ding“ bedeutet. Es umschreibt etwas, dass unumstößlich ist und nicht aus einer Illusion oder einer Ansicht resultiert. Es ist also ein objektiver Gegenstand und kein subjektiver.

Medien – Dieses Mal hat das Wort griechische Wurzeln (μέσov méson: das Mittlere; auch Öffentlichkeit, Gemeinwohl, öffentlicher Weg) und machte dann einen Umweg über das Lateinische  medium, was Mitte bedeutet. Das Wort selbst ist ein Plural und steht laut Wikipedia seit den 1980er-Jahren für die Gesamtheit aller Kommunikationsmittel und Kommunikationsorganisationen.

Das heißt also, dass die Medien uns, dem gemeinen Volk, Informationen kommunizieren, also vermitteln, welche wir dann als Wirklichkeit annehmen sollen oder müssen. Dabei steht nirgendwo etwas über den tatsächlichen Wahrheitsgehalt der vermittelten Informationen.

Stellvertreterproblematik

Wir sind nicht überall und erleben nicht alles selbst, was Einfluss auf uns hat. Der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings (vgl. Schmetterlingseffekt) am anderen Ende der Welt kann irgendwann unser Leben verändern – ein Krieg, eine Krise oder eine bahnbrechende Erfindung. Die Medien vermitteln uns diese Ereignisse und führen uns damit erst in die Globalität. Sie machen greifbar, was vielleicht morgen auf uns zukommt.

Madrid am 25.09.2012

Problematisch ist hierbei, dass vielleicht Entwicklungen übersehen werden können. Oder schlimmer, sie werden absichtlich missachtet. Die Tagesschau, die meist gesehene Nachrichtensendung Deutschlands, arbeitet hier mit einem „Relevanzmuster“ und filter wohl so wichtig von unwichtig – oder doch eher gewollt von nicht gewollt? Die Medien dienen nämlich als Stellvertreter unserer eigenen Augen und Ohren. Sie erleben an unserer statt eine Realität A, filtern und sortieren alle Fakten, Vermutungen und Schlussfolgerung dann in eine Realität B und vermitteln uns diese – und da ja bekanntlich der Empfänger über den Inhalt einer Nachricht entscheidet erleben wir eine Realität C.

Realität C ist dann eine Mixtur aus den uns vermittelten Fakten und unseren eigenen Gefühlen, Meinungen und Erfahrungen.

Die Medienwahl entscheidet

Die Vielseitigkeit der Medien ist schier überwältigend! Fakten:

  1. 351 Tageszeitungen existieren in Deutschland
  2. Mindestens 271 deutsche Fernsehkanäle existieren
  3. Unzählige Radiosender stehen zur Verfügung

Die Thematiken der verschiedenen Medien sind mindest genauso vielfältig wie deren Anzahl. Jemand der RTL II einschaltet wird etwas anderes erwarten dürfen, als jemand, der sich für ARTE entscheidet. Und die BILD bereitet Themen völlig anders auf als es DIE ZEIT macht. Aber woher kommt diese Diskrepanz? Ist der Fundus an Fakten und Ereignissen nicht begrenzt?

Die Krux – das Geld und die Macht

  1. Schon seit den alten Griechen wusste man, dass um an der Macht zu bleiben, es immer dienlich ist, wenn man die Meinung und die Stimmung der Massen – dem Pöbel – unter Kontrolle hat. Wo also Macht durch Kontrolle in Aussicht steht werden Begehrlichkeiten geweckt!
  2. Geld – der schnöde Mammon – Werbeeinnahmen, Verkaufserlöse und mir vermutlich unbekannte Geldquellen sind ganz hervorragende Wecker von Begehrlichkeiten.

Wo Begehrlichkeiten existieren verliert die Ethik ihre Macht, denn das Ziel zu erreichen wird schnell zur obersten Priorität. Erst recht, wenn die Belohnungen süßer wirken als die Gefahren bitter schmecken.

Hinzu kommt, dass die freie Marktwirtschaft dem Monopol bzw. der Konzentration von Ressourcen immer Vorschub leisten wird. Es kommt also zu Konzentrationen von Macht, von Einfluss und Kontrolle. Die deutschen Medien teilen sich demnach im Wesentlichen in vier große „Medienkonzerne“:

Und schaut man sich mal einen der Vier etwas näher an erkennt man deutlich die Vernetzung in viele verschiedene Medien mit scheinbar andersartigen Ansprüchen und Zielgruppen:

Organigramm Bertelsmann, gleiche Bildquelle

Wie groß muss die Versuchung sein durch diese massive Verteilung und der damit verbundenen großen zu erreichenden Menschenmenge vielleicht hier oder da etwas an der öffentlichen Meinungsbildung zu schrauben? Sich oder seine Freunde vielleicht in einem etwas besserem Licht darzustellen – oder vielleicht neue Feinde zu generieren?

Was also tun?

Diese Frage kann man natürlich nicht beantworten, ohne vorher einen Willen, ein persönliches Ziel im Umgang mit den Medien definiert zu haben. Daher hier meine Antworten, maßgeschneidert für Deine Ziele:

Ich bin ein Sadist und möchte sehen, wie schlecht es anderen geht und mich dadurch besser fühlen.

Dir geht es schlecht? Du fühlst Dich minderwertig und bist mit Deiner Situation unzufrieden? Dann wähle RTL II, RTL und alle Sendungen anderer Sender, die von den erstgenannten abkupfern. Hier bekommst Du die ganze Dröhnung menschlichen Elends und geistiger Armseligkeit. Überzogene HARTZ IV-Hetze, sexistisches, rassistisches und chauvinistisches Dummblödel-TV in Reinstform wird Dich entzücken und Du kannst endlich mal wieder durchschlafen.

RTL Wertlos

Ich glaube an das Gute in der Welt und sehne mich nach Frieden.

Du hast genug vom Hass und von krisengeschüttelten Staaten? Du denkst, dass Welthunger und Kriege nur die Hirngespinste verbohrter Verschwörungstheoretiker sind? Dann wähle den 3ten Deiner Region (MDR, B3 etc.) vor allem zur Primetime. Lustige Musikanten, debil grinsende Moderatoren (garantiert ohne sexuell fragwürdige Fetische) und schunkelnde Rentner werden Dich allabendlich in den Himmel trällern. Eine heile Welt aus Zuckerwatte und seltsamen Dialekten, riesigen Gläsern voll Bier und je nach Jahreszeit passenden Kopfbedeckungen (Weihnachstmützen, Karnevalskappen) – das ist Deine Welt!

Die Welt ist böse und an allen Ecken und Enden wartet der Tod und das Verderben.

Du hast Angst? Dein Nachbar ist ein Massenmörder und die Lehrerin Deiner Kinder eine Sexualstraftäterin? Dein Sohn haut Rentner übers Ohr und überhaupt – alles schlecht? Dann lies die BILD oder die MOPO und schau n-tv! Hier warnen große Letter vor TODESVIREN AUS CHINA, KILLERKINDER VOM HINDUKUSCH oder DER TOD AUS DEM ABFLUSS (Untertitel: Krokodile im Abwasserkanal). Du wirst keine Nacht mehr schlafen, da Dir jeder an die Wäsche will. Vertrauen war gestern – 110 ist heute!

Du behauptest intelligent zu sein, hast noch etwas Würde in den Knochen und bist Realist?

Uffala – das wird schwer. Hier ist der Mix gefragt. Verfolge die Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sender, vergleiche sie mit den Printmedien, die entweder in schwarz-weiß gedruckt werden (Tageszeitungen) oder die von Deinem Nachbar, dem pensionierten Professor für Politikwissenschaften, gelesen werden. Setze die gesammelten Informationen ins Verhältnis zu Deiner Internetrecherche (Youtube, Facebook, Twitter, Google+, Google) und unterhalte Dich ausgiebig mit anderen Menschen.

Wenn Du Fragen hast oder etwas nicht verstehst, dann lies bei Wikipedia oder schlage im Lexikon Deines Vertrauens nach. Lies Romane – zum Beispiel werden in Science Fiction oder Fantasy viele „Eventualitäten“ oder „Entwicklungen“ überspitzt und ins Extreme weiter gesponnen … sehr lehrreich!

Und vor allem folgendes: Stell Fragen! Denk nach! Glaube nichts und hinterfrage alle – am stärksten Deine eigenen Vorurteile und das, was Du als Dein Wissen einschätzt.

Und verdammt nochmal! Lies spottblog.de … und nimm nicht alles so verdammt erst ;) … außer Georg Schramm! Den muss man ernst nehmen. Er hat das System verstanden.

 

In diesem Sinne … Euer Spottblogger

Bildquelle Artikelbild: Photoscala

T-Shirt „weRTLos“ erhältlich bei Fernsehkritik.tv


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3 Kommentare
09.06.13
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3 Antworten zu “Medienwirklichkeit – Medienrealität”

  1. […] Hier findest Du interessante Beiträge zum Thema: Medienrealität […]

  2. Peter sagt:

    Schöner Artikel wieder mal, hab nicht mal was zu meckern ;-) Hab mich nach reiflicher Überlegung zu deiner letztgenannten Gruppe gezählt und will nur ne Ergänzung machen: Lies ausländische (Online-)Medien. Der Vorteil: andere Perspektive und meist viel weniger hysterisch als einige unserer Online-„Qualitäts“-Medien – s. SPoN und Co.)
    Grüße
    Peter

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