Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer. Aischylos

Meckerdeutschland

Dass die Deutschen gerne meckern und schimpfen ist keine sonderlich neue Erkenntnis, dennoch muss ich mir heute mal Luft machen und selber etwas schimpfen.

Es geht mir, gelinde gesagt, einfach auf den Zeiger. Nirgends kann man hingehen, nichts kann man machen, genießen oder erkunden ohne nicht irgendwann auf einen sich über nichts aufregenden Deutschen zu treffen. Da wird dann geschimpft, sich beschwert und gemeckert was das Zeug hält. Völlig egal, ob es berechtigt ist oder nicht.

Neulich holte mich ein Kollege und Freund von zu Hause ab. Die Einfahrt unserer Straße ist baulich verengt. Zusätzlich parken Autos direkt nach der Verengung. Dadurch wird es oft schwer wenn zwei Autos nebeneinander fahren wollen. Wir kamen also an die besagte Engstelle und ein uns entgegen kommendes Auto fuhr rechts ran um uns vorbei zu lassen. Ein post-pubertärer Bengel mit Papas Auto und zwei Mädchen (oder eher Weibsbildern, den Schminkmassen nach zu urteilen) raffte diese Situation natürlich nicht und fuhr links neben den bereitwillig wartenden PKW, versperrte so unsere Ausfahrt und glotzte uns nun mit großen Augen an.

Nach gefühlten dreitausend Rangiervorgängen schafften wir es uns an dem Bengel vorbei zu quetschen. Dieser kurbelte sein Fenster herunter (sein Vater kann sich wohl keine Fensterheberautomatik leisten) und erhoffte nun mittels verbaler Inkontinenz zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich uns zu beschimpfen und gleichzeitig seine Koituschancen bei den anwesenden „Damen“ durch Beweis seiner Männlichkeit zu erhöhen.

Heute dann stieg ich in die Straßenbahn ein. Als ich eingestiegen war begann an der Haltestelle ein lautes Gezeter und Geschimpfe:

Was ist denn hier los?! Was soll denn das?!

Als ich schon saß stürmte ein älterer Herr (OKAY, es war ein Opa) zur Fahrerzelle, klopfte harsch an und brüllte durch die halbe Bahn er solle die Tür auf machen. Als der Fahrer dieser Aufforderung folgte geiferte der Opa los, warum er nicht in die Bahn gelassen würde, warum der Fahrer die Türen nicht freigeben würde, warum, warum, warum! Außerdem würde er sich umgehend beschweren.

So tat er dann auch. Nachdem der resignierende Fahrer die Tür wieder schloss, zu Wort kam er ja eh nicht, rief der Opi die Hotline der DVB AG an, beschwerte sich in einem äußerst unfreundlichen und forderndem Ton und verlangte eine Auskunft über das „Outcome“.

Was soll das?

Solche Szenen kennt jeder, hat sie schon tausend Mal erlebt. Was geht in diesen Menschen vor? Ist es denen so wichtig über andere Menschen Macht zu üben? Haben die keine anderen, dringendere Probleme? Können die nicht einfach ein Lächeln aufsetzen? Wo liegt der Sinn darin andere Menschen wegen Nonsens, wegen Nichtigkeiten derart zu belegen, zu beschimpfen, zu beleidigen?

Doch ich muss einhalten. Habe ich nicht selbst äußerst unfreundlich meinen Unmut an einer Karstadtverkäuferin abgelassen, als sie mir eröffnete, dass dieses blöde, klitzekleine und ganz normale Portemonnaie von Porsche Design aus Qualitätsleder ganze 99 Euros kosten würde? Was ging da in mir vor? Kann die Frau etwas dafür, dass raffgierige Industrielle auf dem Rücken indonesischer Billigarbeiter den großen Reibach machen? Natürlich nicht!

*an die eigene Nase fass*

Ende der Maskerade

Mein Vorsatz für 2013 lautet:

Sei freundlicher zu den Menschen. Sei zuvorkommender, ehrlicher und hilfsbereiter!

Ich habe meinem Vorsatz folgend gleich mein Handy gezückt, die Servicenummer der DVB AG gesucht, gefunden und angerufen. Ich sagte der Mitarbeitern, dass ich Zeuge der eben gemeldeten Vorkommnisse war, der Fahrer alles korrekt gemacht hätte, der Opa zu doof war den Knopf richtig oder rechtzeitig zu drücken um die Tür zu öffnen und obendrein äußerst unfreundlich und unpolitisch war.

Ich saß direkt hinter dem Opa und als die Dame am Telefon sich für meinen Anruf bedankte, drehte er sich um, warf mir einen Todesblick zu und holte tief Luft, setzte quasi zum Brüllen an.

Ich tat das, was ich im Karstadt hätte auch tuen sollen. Ich fiel ihm ins aufkommende Wort, wünschte ihm ein tolles und erfolgreiches Jahr 2013 und setzte mein breitestes Neujahrslächeln auf, das ich drauf habe.

*Wind aus den Segeln nehm*

Bildquelle: Augsburger Allgemeine

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1 Kommentare
04.01.13
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Eine Antwort zu “Meckerdeutschland”

  1. Alfred Steckel sagt:

    Meine Erfahrungen mit der Freundlichkeit, dem Lächeln und der Hilfsbereitschaft sowie der Ehrlichkeit.

    Ich war 12 Jahre alt, da hat mich bereits das Gemeckere, Beschimpfungen und alle anderen Situationen der Erwachsenen wie in den Artikel beschrieben, bereits angekotzt.

    Damals hatte ich mir geschworen, so werde ich niemals. Lächle in jeder Situation, sei Höflich und Hilfsbereit.
    So halte ich es bis heute, ca. 42 Jahre (+ die 12) und bin immer dabei sehr gut gefahren.
    Mit meinem Lächeln (Grinsen) hatte ich nur bei der Bundeswehr und meiner Frau Probleme, wenn diese meinten mir Befehle erteilen zu müssen.
    Bundeswehr bin ich ja schon lange nicht mehr, ach ja, Frau auch weg.

    Hilfsbereitschaft wird bei mir groß geschrieben, habe bei ca. über 30 Umzüge geholfen und meine habe ich auch erledigt.

    Und Ehrlichkeit ist das A und O bei mir, deshalb wohl Frau Frau wech, war anscheinend die falsche Antwort auf die Frage meiner Frau diesbezüglich meiner Nachbarin?

    Mein Vorsatz wie im jeden Jahr, das ich auch mit voller Kraft durchführe, Ehrlich, Hilfsbereit, Freundlich und immer ein Lächeln.

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