Kein Mensch muss müssen. Gotthold Ephraim Lessing

Klarstellung eines Sehenden

Was ich will, was ich bin, ist nichts außer der Essenz der Vernunft – gepaart mit dem unbedingtem Willen frei zu sein. Frei zu entscheiden, frei zu sprechen, zu denken und zu tanzen. Nichts, außer dem Unwillen zu kriechen, zu schweigen oder weg zu sehen.

Ich definiere meine Existenz mit dem Feuer in meinem Herzen, mit dem Feuer, welches die Welt ergreift, wenn die Massen die Schlösser sprengen und die Fesseln zu Morgensternen schmieden, die ewig Gestrigen zu vernichten – im gerechten Sturm, welcher vor Zorn trieft.

Wenn die Massen die Schlösser sprengen und die Morgensterne schmieden zu Pflugscharen, zu ernähren seine Kinder.

Was ich will, was ich bin, ist nichts außer Verständnis für all die Unwilligen, für all die Blinden und all die Geblendeten. Meine Freunde, ergeben in Unwissenheit und Ignoranz. Wie sie sich fügen ihrem Schicksal der Kleinbürgerlichkeit – Fragen nicht stellen, Gesagtes akzeptieren, Nebel, der nie gelüftet wird.

Ihr Geist ist vernebelt, ihre Sinne sind gebannt. „All dies Schweigen macht uns froh, ein Leuchten durch die Herzen geht.“ Vernebelt vom Massengeschmack – ein Massenpublikum für die neue, alte Elite. Haus, Kind, Frau – Ficken, Auto, Kippe, RTL II.

Was ich will, was ich bin, ist nichts außer grenzenloser Verzweiflung – gepaart mit getriebener Melancholie ob der Dummheit der Massen. Denn ist es nicht Dummheit, wenn nicht gelernt wird, aus Geschichte und Historie? Wenn sehendem Auges der Marsch in die ewig gleichen Höllen marschiert wird?

Ficken, Auto, Kippe, RTL II – Opium für das Volk der Gegenwart. Glaubt denn der Mann, der sich feiert ins Gesicht der Hure zu wichsen, der sich aufgeilt beim Röhren des Motors, der zwanghaft am Klimmstängel, an der Flasche hängt, der die fette halb behinderte „schwer verliebte“ belacht – glaubt denn dieser Mann, dass sein Leben Sinn hat?

Was ich will, was ich bin, ist nichts außer ständiger Ausgrenzung. Denn der Mann, der eben noch geweint über seinen ewigen Geldmangel, der eben noch verzweifelt ob jedweder fehlenden Zukunft, jedweder verlorenen Perspektive, jetzt schon im Kreise der Kollegen der Starke ist, der jene welche die Fresse aufreißt, der jene welche mich belacht und der jene welche mich belegt ist.

 

Ja, ich hasse das Jetzt!

Ja, ich liebe die Utopie!

Ja, ich ängstige mich vor der Dystopie!

Ja, ich kenne derlei Worte ohne Google nutzen zu müssen!

Ja, ich hasse Euch und …

Ja, ich liebe Euch …

denn Du, der mich nicht versteht, der mich verspottet, der Du Dich überhöhst …

Du bist mein Bruder im Kampf gegen einen Feind, den Du noch nicht erkannt hast.


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17.07.13
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