Du sollst nicht töten. 2. Mose 20,13

Keine Arbeit – Kein Geld!

Bevor Bismarck 1883 begann erste Sozialgesetze in Deutschland zu verankern und ein Staat nach dem anderen seinem Beispiel folgte, war jedes Menschen Leben auf Gedeih und Verderb von seinem Erwerb abhängig. Wer nichts verdiente oder selbst produzierte starb! Dann folgten eine ganze Menge von sozialen Netzen, die das Über-Leben einem Jeden garantieren sollten. Jahre gingen ins Land.

Und dann kam der Liberalismus und dessen Nachfolger und man hört an allen Ecken und Enden Worte wie: „Wer nicht arbeitet, der hat auch kein Geld verdient“ oder „Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich„. Diese Aussagen fallen vor allem dann häufig, wenn es um Empfänger des ALG II (Hartz IV) geht.

Ich möchte dieses Argument, was oft auch gegen das sog. „Bedingungslose Grundeinkommen“ ins Feld geworfen wird, hier einmal analytisch widerlegen.

Der naturalistische Ansatz mit religiösem Hauch

Gemäß naturalistischer Philosophie sind alle Menschen Teil der Natur. Als solche, und nach der Sichtweise nahezu aller Religionen, benötigen sie die Natur um zu überleben. In den Religionen soll die Natur ihm sogar dazu „dienen“. Das heißt, dass ein Mensch ohne ein Stück Natur, welches er bestellen oder bejagen kann, nicht überleben kann. Lebt er also in der Stadt, müsste er eigentlich zum Tode verdammt sein.

Nun ist es aber so, dass wir in einem System der Fremdversorgung leben (was viele Menschen einfach nicht verstehen). In diesem System dient jede produktive Tätigkeit dazu, das Überleben anderer Menschen zu sichern. Als Lohn dafür erhält der Mensch Geld, mit welchem er nun sein eigenen Leben bestreiten kann.

Die Konsequenzen der Rationalisierung

Der Mensch hat nun Techniken erfunden, welche die Produktionsprozesse derart verknappen und automatisieren, dass im Laufe der Zeit immer weniger Menschen die Güter für alle Menschen produzieren konnten. Das „Problem der Arbeitslosigkeit“ entstand und damit eine Menge an Menschen, welche weder über Natur verfügen, die ihnen das Leben sichern könnte, noch mithilfe ihrer Arbeitskraft an das so wichtige Geld kommen können.

Arbeitslosigkeit ist also eine zwingende Folge aller Bemühungen des Menschen von der Arbeit befreit zu werden – nichts anderes macht man nämlich, wenn man einen Webstuhl, einen Mähdrescher oder ein Produktionsband entwickelt.

Die Frage muss also gestellt werden, warum die über Generationen währende Bemühung, die Menschen von der Arbeit mittels Automatisierung und Rationalisierung von der Arbeit zu befreien, jetzt zur existenzbedrohenden Gefahr mutieren soll.

Die Technik überholt das System

Da der technologische Fortschritt immer weiter geht und daher immer weniger Menschen als Arbeitskräfte benötigt werden, bekommt unser derzeitiges System also ein Problem, denn es baut im Prinzip auf Vollbeschäftigung auf. Lediglich Fälle wie Unfall, Krankheit oder Alter sollen ja abgedeckt werden. Arbeitslosigkeit per se sollte es gar nicht geben!

Es ist demnach ein Fakt, dass die Moderne in Industrie und Wirtschaft auch eine Moderne in der Gesellschaft erfordert. Stattdessen hält man jedoch eisern an einem zwangsläufig überholten System fest und zwingt die Menschen mittels Sanktionen in Arbeitsverhältnisse, die schlicht nicht existieren. So meldete das statistische Bundesamt zuletzt, dass 2,753 Millionen Menschen, welche keine Arbeit finden, 468 Tausend freien Arbeitsstellen gegenüber stehen. Die fehlenden 2,285 Millionen Arbeitsstellen sind schlicht und einfach das Resultat der fortschreitenden Modernisierung der Wirtschaft.

Soviel zur Faktensammlung … kommen wir nun zum interessanten Teil!

Keine Arbeit? Kein Geld!

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist eine Technik der Rhetorik, Argumente zu überprüfen, besonders reizvoll – die Überspitzung des Arguments in das Extreme!

Lassen wir also alle sozialen Netze fallen, streichen alle sozialen Gelder und übergeben die Menschen ihrem Schicksal. Jemand, der keine Erwerbsanstellung hat, der verdient auch keinerlei Geld! Und doch hat er Ausgaben, denn er muss essen, trinken, wohnen und heizen. Das Resultat der Geldlosigkeit wird also leicht zu erahnen sein. Er wird sterben. Entweder wird er erfrieren, verdursten, verhungern oder einfach an irgendeiner Krankheit verrecken.

Dies würde natürlich gegen das Grundgesetz Artikel 2 verstoßen, denn es ist die Aufgabe des Staates, diesen Artikel umzusetzen und damit für das Leben eines jeden Menschen, auch eines Arbeitslosen, zu sorgen.

Erschreckend ist hierbei, dass die Bezüge eines Arbeitslosen laut §31 ff des zweiten Sozialgesetzbuchs auf bis zu 100% gemindert werden können. Er kann dann zwar bei den Ämtern katzbuckelnd betteln um an Essensmarken zu kommen, seine Miete und seine Versicherungen werden jedoch nicht weiter gezahlt. Er ist also letztendlich dazu verdammt, seine Wohnung zu verlieren, seine Würde und irgendwann auch sein Leben.

Erste Conclusio

Wie wir also eindrucksvoll gesehen haben, mündet das Argument „Keine Arbeit? Kein Geld!“ letztendlich im Tode des Betroffen, mindestens jedoch im gesellschaftlichen Abstieg bis hin zum Ausschluss aus selbiger. Und spätestens hier muss jeder vernunftbegabte Mensch inne halten und merken, dass es das einfach nicht sein kann. Es muss eine Lösung gefunden werden, die es allen Menschen ermöglicht, nicht nur zu überleben, sondern auch weiterhin am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzuhaben.

Man bedenke, dass zu Zeiten, in denen echte Vollbeschäftigung existierte, ein Arbeitsloser in der Tat häufiger aus persönlichem Mangel keine Arbeit fand, als es heute der Fall ist. Daher ist das Problem der Arbeitslosigkeit kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches! Die Gesellschaft muss also reagieren und ihr System anpassen.

Es gäbe noch viele weitere Ansätze, die Aussage „Wer nicht arbeitet, der hat auch kein Geld verdient“ zu widerlegen. Heute möchte ich es dabei belassen und setze bald weiter fort.


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1 Kommentare
13.11.12
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Eine Antwort zu “Keine Arbeit – Kein Geld!”

  1. Steckel sagt:

    Genau so ist es.
    Ein sehr guter Beitrag.
    Bis in die Ende der 70er hieß der Arbeitslosenbeitrag den jeder Arbeitnehmer in die Sozialkasse einzahlte „Arbeitslosenversicherung“ in der tat war mann dann auch sozial und das unabhängig der dauer einer Arbeitslosigkeit versichert. Die ausgezahlten Beträge richteten sich nach den Nettolohn der letzten 3 Monate und betrug ca. 55%. Damit konnte ein Arbeitsloser in Würde leben. Heute beträgt der Auszahlungszeitraum max. 2 Jahre, danach rutscht man in den sogenannten h4- Satz.

    Wer nicht gearbeitet hatte und deshalb auch nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlte bekam daher zumindest die Sozialbeihilfe das heutige Hartz 4.

    Die Reformen der Arbeitslosenversicherung hatten nicht dazu geführt das es heute weniger Arbeitslose gibt sondern war und ist ein reiner Sparkurs der Regierung und um die Verteilung von Verantwortung an Soziale Einrichtungen zum Beispiel Armenküchen die es in der heutigen Zeit immer mehr in unserem Land gibt, obwohl die Kassen der Arbeitslosenversicherungen nie im minus standen, sondern trotz zum teil hoher Arbeitslosenzahlen immer gut gefüllt waren.

    Noch schlimmer ist die Einführung der 1Euro Jobs, denn viele Kommunen bauen immer mehr Stellen ab und setzen zum Ausgleich regelmäßig die sogenannten Ein- Euro-Jobber ein.
    Auch wenn diese nicht mit einem Vollzeitarbeitnehmer zu vergleichen sind, so leisten die doch im Verhältnis Leistung/anzahl Stunden genau so viel, aber zu einem weit aus geringeren Kostensatz. Moderne Sklaverei.

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