Die Menschen gehen lieber zugrunde, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern. Leo Tolstoi

Ich bin ein Riese weil ich denke…

Damals, Sri Lanka…

Was macht mich aus – als Mensch, als Individuum, als Mann, als Freund, als Partner, als Feind – letztlich doch immer nur die Essenz meiner Seele – gebildet aus Erfahrungen und Erwartungen – unendlich komplex, unergründbar, mystisch – verletzbar…

Ein Text über das, was mich ausmacht.

 

 

Ich bin ein Riese weil ich denke,

weil ich mir die Welt in Gedanken neu erschaffe

und Welten voller Wunder durchwandern kann!

Meine Gedanken sind mein Schwert,

das vernichten und gestalten vermag.

 

Und doch bin ich unendlich klein,

denn meine Gedanken drehen sich im Kreis,

sie führen mich in Untiefen der Menschlichkeit

und bleiben hängen und fesseln mich

und zeigen mir fehlerhafte Wunder auf.

 

Ich bin ein Riese weil ich fühle,

weil ich die Welt um mich mit Gefühlen ertaste

und Welten voller Wunder durchwandern kann!

Meine Gefühle sind wie Sonden,

die mich verstehen und mich wachsen lassen.

 

Und doch bin ich unendlich klein,

denn meine Gefühle verletzen mich,

sie sind eine Wunde die ewig blutet

und bleiben hängen und fesseln mich

und erdrosseln meinen Willen.

 

Ich bin ein Riese weil ich sehe,

weil ich mir die Welt in neue Farben tauche

und Welten voller Wunder durchwandern kann!

Meine Augen sind mein Bogen,

der Pfeile voller Hass und voller Liebe verschießt.

 

Und doch bin ich unendlich klein,

denn meine Blicke öffnen mich

und legen frei was in mir ist

und bleiben hängen und fesseln mich

und führen mich in die Irre.

 

Ich bin ein Riese weil ich frage,

weil ich die Welt in Worte fasse

und Welten voller Wunder durchwandern kann!

Meine Fragen sind wie Tauben,

die meinen Geist in weite Fernen tragen.

 

Und doch bin ich unendlich klein,

denn meine Worte verhallen im Nichts

und finden kein Gehör

und bleiben hängen und fesseln mich

und stellen nicht die Welt sondern mich selbst in Frage!


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1 Kommentare
23.05.15
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Eine Antwort zu “Ich bin ein Riese weil ich denke…”

  1. Ich Halt sagt:

    TJA …

    Wenn wir Katzen wären,
    – laufen durch –
    – schreien nach –
    – schlagen –
    – zubeißen, wenn –
    – Nase stets oben –
    – weglaufen, ohne –
    – und immer wiederkommen nach –
    ja, so wäre es.
    Lecke Deine Wunden, Du bist Mensch und keiner hat gesagt, dass es leicht sein würde, nicht einmal angedeutet. Was? Auch Du vernahmst die seligen Heimtücken „Alles wird gut“ und „Es wird schon“? Das tut mir leid, ich habe das nicht zu verhindern gewusst.
    Dann lauf doch! Beiß trotzdem zu! Beweise die Ignoranz und hebe die Nase – ich werde Dir lächelnd zusehen, vielleicht auch nicken und mich umdrehen.
    Die Welt ist beschissen? – Na und? Das ist doch nichts Neu-es, mach doch einfach mit! Wer als Erster wirft, verletzt auch als Erster, das ist weithin bekannt. Wirst Du getroffen, schüttle Dich und wirf zurück – wir werden sehen, wessen Steinhaufen höher ist.
    Klettere über jede Mauer, jeden Zaun, es kann nur besser werden, das solltest Du begriffen haben. Türeneinrennen ist das Einzige, das Dich vorwärtsbringt – denn öffnen werden sich die verdammten Dinger längst nicht mehr.
    Radiere aus, was Dich stört, sonst kann es umgekehrt geschehen. Grün ist lange keine Tarnfarbe mehr – ROT ist es, glaube mir. Denn alles brennt – alles blutet.
    Du bist also zu klein? Nun, das ist schade. Klein ist nicht gut heutzutage. Klein ist längst nicht mehr fein. Klein ist lang-samer, klein ist übersehbar, klein ist leicht aus dem Weg zu räumen.
    Wachse, mein Freund, wachse. Ansonsten verschwindest Du möglicherweise. Ob Dich dann noch jemand suchst, ist äußerst fragwürdig.
    Ich küss Dir schon jetzt den Abschied auf die Stirn, da ich weiß, dass Du klein bist. Da ist nichts Erbarmungsloses, nichts Skrupelloses in Dir, das Hoffnung versprechen könnte.

    Adieu, mein armer, kleiner Teufel mit großen Plänen – ich habe Dich sehr geliebt.

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