Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit. Marie von Ebner-Eschenbach

Facebook weiter Nazisumpf

Dass Nationalsozialisten, landläufig auch Nazis, Neo-Nazis oder schlicht Volltrottel genannt, immer wieder neue Wege suchen und finden sich in eine scheinbare gesellschaftliche Mitte zu schieben sollte ja bekannt sein. Facebook und Co. geben diesen Bestrebungen jedoch eine völlig neue Dimension. Es lohnt sich genauer hinzublicken!

Facebook ist cool und „in“ und die Nutzerzahlen lassen die deutsche Wahlbeteiligung mickrig aussehen. Nazis wären also schön doof, würden sie dieses Medium ungenutzt lassen. Also nutzen sie es.

Nachdem jedoch in den letzten Jahren namhafte Blogger und Onlineinitiativen wie lanu oder netz-gegen-nazis.de immer wieder Druck auf Facebook ausübten verschwanden die allzu offensichtlichen Führerprofile und zu radikalen Gruppen (z.B. „Keine Gnade für Kinderschänder“) aus dem beliebten sozialen Netzwerk.

Doch geben sich die Nazis damit geschlagen? Natürlich nicht. Jetzt bauen sie erst recht auf Themen, die uns alle irgendwie betreffen und welche traditionell nicht unbedingt mit Nationalsozialismus in Beziehung gebracht werden.

Beispiel 1:

Deutschland gegen Kindesmissbrauch
Stand 13.12.2011 – 15:00: 4.998 Likes und 1.196 „Teiler“ in den letzten 7 Tagen
Diese Seite ist ein Nachfolger der gelöschten „Keine Gnade für Kinderschänder“ und wurde vom rechtsradikalen „Deutschland Echo“ als solche benannt. Auf den ersten Blick erscheint aber auch diese Seite seriös und mit einer für den Otto-Normalverbraucher verständlichen Botschaft. Wem von uns geht das Schicksal der vielen missbrauchten Kinder nicht ans Herz? Und wer von uns hat nicht auch schon einmal mit dem Kopf geschüttelt ob eines subjektiv unverständlichen Gerichtsurteils?

Doch schauen wir genauer hin sehen wir verlinkte Lieder der Onkelz (JAJA, die sind ja so üüüberhaupt nicht in der rechten Szene beliebt) oder der rechtsnationalen Liedermacherin Anett Müller. Die Fotogalerie ist reich mit Symbolik bestückt. Nicht nur, dass einfache Bilderbotschaften immer wieder in den Nazi-Signalfarben schwarz-weiß-rot dargestellt sind. Wir finden auch ganz klar Werbung für die NPD, rechte Ortsgruppen oder einen „Gedenkmarsch am 13. Februar in Dresden“ … meiner Heimat wohlgemerkt.

Lesen wir weiter erscheinen auch immer wieder Rufe nach der Todesstrafe für Kinderschänder. Und spätestens hier outet sich die Seite! Denn diese Forderung ist dann doch traditionell rechtsnational behaftet und ist ein weiterer Ausdruck der Unvereinbarkeit der rechten Ideologie mit der deutschen Demokratie … denn letztere hat das Recht auf Leben unmissverständlich in ihr Grundgesetz integriert.

Beispiel 2:

Härtere Strafen für Frauenvergewaltiger
Stand 13.12.2011 – 15:00: 2.377 Likes und 539 „Teiler“ in den letzten 7 Tagen

Dass sich diese Seite so leicht outet hätte ich zu Beginn meiner Recherchen nicht gedacht. Wir müssen nicht einmal einer Browserhöhe nach unten scrollen und schon sehen wir den ersten verlinkten Artikel des durch die NPD geführten Onlineportals DS Aktuell. Schon der zweite Pinnwandeintrag ruft, mal wieder, zur Todesstrafe für Kinderschänder auf und eine Verlinkung auf einen demagogischen Artikel des Deutschlandechos darf natürlich auch nicht fehlen.

Doch genug der Beispiele, es ließen sich sicher noch viele finden. Was ist eigentlich so schlimm daran?

Ich sitze zu Hause, gerade von Arbeit angekommen, und sehe die Statuseinträge meiner Facebookfreunde des Tages durch. Mein Blick fällt auf ein von einem Kollegen verlinktes Foto. Auf diesem Foto wird die Personenbeschreibung eines vermissten Kindes oder einer vermissten Frau gegeben. Obwohl die Machart des Fotos schon ziemlich nach Mitleid heischt fällt mir nichts weiter daran auf. Und kann man bei solchen Themen nicht auch mal ein wenig auf die Tränendrüse drücken? Sind ja schließlich Leben, die da eventuell auf dem Spiel stehen.

Weil ich mich irgendwie verantwortlich für das Schicksal der Frau fühle klicke ich auf „Teilen“ und verbreite das Bild damit auch unter meinen Freunden. Doch STOP!

Hab ich da nicht etwas übersehen?

Ich habe nicht nur das Foto geteilt, sondern auch die Information von wem das Foto ursprünglich stammt. Jetzt werden andere mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Seite besuchen, werden sie vielleicht abonnieren und werden nun, ohne dass sie es wollten, mit rechtsnationaler Propaganda beladen, welche nicht in erster Linie als solche erkennbar ist.

So werden Individuen, die nichts mit Nazis am Hut hatten, langsam mit radikalem Gedankengut beseelt, sie gewöhnen sich an die Symbolik, an das Vokabular und die Farbenlehre und ihre Meinung wird Tag für Tag ein wenig mehr beeinflusst. Denn auffällig ist auf jeden Fall folgendes:

Die rechten Tarnseiten

  1. behandeln alle Themen, die geeignet sind andere von der Gesellschaft auszugrenzen und
  2. die scheinbar alle betreffen bzw. mindestens das Mitleid oder das Gewissen aller ansprechen sollen,
  3. umgeben sich mit zum Teil unscheinbaren Seiten Dritter.

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13.12.11
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