Von allen Worten, sei es geschrieben oder gesagt, ist das Traurigste: Es wäre gewesen. Unbekannt

Europa der Völker?

Wir alle leben, ob wir wollen oder nicht, in der EU …. Punkt! Und nun? Was bringt uns denn diese EU? Woher kam sie und kann das was werden? Und, wohl die wichtigste Frage überhaupt, ist diese EU denn von allen gewollt? Von den Menschen, den Politikern, den Medien? Wissen wir, die wir alle unsere eigenen kleinen Probleme haben, denn überhaupt, was die EU darstellt, welche Chancen sie bietet, welche Gefahren sich in ihr verbergen?

Die entscheidende Frage? Qui bono?

Die EU, die supranationale Organisation schlechthin, hatte einmal einen Sinn! Davon bin ich fest überzeugt. Der Sinn bestand darin, ein zweites Auschwitz, einen dritten Weltkrieg ausgelöst in Europa, wieder Millionen von Tode zu verhindern. Es sollte eine Gemeinschaft bilden, was sich nicht riechen konnte. Vertrauen und Verständigung sollten anstelle von Neid, Missgunst und Misstrauen stehen. Die Einsicht, dass wir alle in einem Boot sitzen, sollte den Frieden, und damit die Freiheit, die Demokratie und den Wohlstand wahren und gewährleisten.

Also wuchs die EU aus ihren Vorgängern, der EGKS, der EWG und Euratom. Immer mehr Staaten erkannten, dass die Gemeinsamkeit der Geografie, die gemeinsame Geschichte und die eng verknüpften Beziehungen eine Chance für eine gemeinsame, eine bessere Zukunft ist. Und die Entwicklung gab ihnen Recht. Die Volkswirtschaften blühten, der Wohlstand stieg scheinbar unaufhaltsam. Es gab sogar eine bis dahin einmalige Währungsunion mehrerer Nationalstaaten.

Das große Ziel war:

 Ein nachnationales Europa der Regionen – In Vielfalt geeint

Regionen, das heißt eben nicht Nationen. Europa sollte verschmelzen, was das Wort Union ja bereits verdeutlicht. Wir sollten nicht mehr in „deutsch“, in „französisch“ oder in „spanisch“ denken … sondern erst in „europäisch“ … und dann in „sächsisch“ … oder „friesisch“. Das Große und Ganze sollte einem höheren Ziel folgen, ohne dabei gleich geschaltet zu sein. Und alles das, was nicht für alle gleich zu entscheiden oder festzulegen geht, sollte in den kleinstnötigen und größtmöglichen Dimensionen, also in den Regionen geklärt werden – ganz nach den regionalen Belangen.

Die Utopie war also die Überwindung von Staatsgrenzen, das Zusammenwachsen der Völker zu einem europäischem, der europäische Gedanke sollte nationale Ressentiments überwinden und allumfassend werden.

Ist es geglückt?

Die europäische Leistungsfähigkeit in Produktion und Dienstleistung ist auf dem höchsten Niveau aller Zeiten! Der Wohlstand einiger weniger Menschen ist so maßlos hoch, dass er nicht mehr vorstellbare Dimensionen erreicht hat. Der Reichtum pflanzt sich in alle Nationen und in alle Regionen vor … aber nicht im Volk, nicht im Bürgertum.

Europa ist gescheitert und marschiert entschlossen Richtung „Scheidung“!

Es existiert keine europäische Identifikation des Volkes. Im Gegenteil! Der Nationalismus treibt maßloser denn je seine Blüten. Die Verteilung von Arm zu Reich hat Ausmaße angenommen, die weit jenseits einer „sozialen Marktwirtschaft“ liegen. Der Neoliberalismus ist allgegenwärtig. Die Völker treiben auseinander wie das Eis des sich unaufhaltsam erwärmenden Nordpolarmeeres.

Die Bürokratie der EU ist undurchsichtig, nicht repräsentativ, teuer und durchsetzt von Lobbyisten und Banken. Die Völkervertretungen in den Staaten wie auch in der EU haben ihren Namen nicht verdient, denn sie beruhen allemal auf der Meinungsbildung von Minoritäten (vgl. Wahlbeteiligungen). Die demokratischen Mängel der einzelnen Nationen haben sich in ihrer Union multipliziert. Wir teilen, weder wirtschaftlich noch politisch, unsere Stärken – wir summieren lediglich unsere Schwächen.

Gewollt oder Versehen?

Der europäische Gedanke ist nicht präsent und war es nie. Nicht in den Medien, nicht in den Reden der Politiker. Anstatt über das Elend der Kinder Neapels (Arte) zu berichten werden zu besten Sendezeit und mit schwindelerregenden Zuschauerzahlen fette, alte Deutsche beim Ficken in Thailand oder Millionen von Deutsche belogen und betrogen. Weder die Schicksale spanischer Minenarbeiter oder der 21,7% Arbeitslosen Griechenlands, noch die schleichende Infiltrierung demokratischer Strukturen durch Goldman Sachs finden ihren Platz in den breiten Medien.

Stattdessen werden, ganz nach dem lateinischen Prinzip Divide et impera Feindbilder geschaffen, wo keine sind.

Die faulen Griechen haben sich in den Euro gelogen!

Die Spanier bauten ihre Mobilien eh nur auf Pump!

Die Portugiesen machen auf unsere Kosten Siesta!

Die Nationen schimpfen aufeinander wie nie und Horden von Politikern und Lobbyisten sind rund um die Uhr dabei, die Interessen ihrer Nationen und Finanzmärkte gegen den Einfluss von Brüssel zu verteidigen.

Kurz: Der Franzose war den Deutschen, der Deutsche dem Griechen und der Spanier dem Briten nie so fremd wie derzeit. Die Medien und Politiker versagen tagtäglich – sei es aus Dummheit, mangelndem Sachverständnis, fehlendem Interesse am Gemeinwohl oder aus purer Geldgeilheit.

Und nun?

Europa, die große Vision, das segensreiche gemeinsame Projekt hat so keine Chance. Stammtischpropaganda und Angstbildung sind Hauptbestandteil der Massenmedien, welche ihre europäische Verantwortung genauso wenig erkennen, wie irgendeine andere ihrer Verantwortungen. Es gibt kein einziges europäisches Medium, das es schaffen könnte die Europäer zur Solidarisierung miteinander zu bewegen. Die Politiker der Nationen sehen lediglich ihre Legislaturperioden und den Fakt, dass sie nicht durch die Europäer, sondern durch ihre Landsmänner gewählt werden – warum also für Europa kämpfen, wenn es Europa nicht demokratisch danken kann? Die Europapolitiker sind entweder durch die Nationalregierungen bestellt, was sie zu Vertretern ihres Landes degradiert, oder sind Gesandte der Nationalparteien, die in der Innenpolitik gescheitert und auf ein Abstellgleis geschoben werden … ein lukratives Abstellgleis nebenbei bemerkt.

Es gibt keine Zukunft für Europa, solange ein Grieche, ein Deutscher oder ein Däne sich als ein Griechen, einen Deutschen oder einen Dänen fühlt – solange er in seinem Nachbarn keinen Partner im Geiste, sondern einen Konkurrenten bei der Beantragung von Subventionen sieht. Europa wird scheitern, wenn Politik und Medien sich nicht endlich ihrer Verantwortung bewusst werden und dieser überholte und überlagerte Nationalismus nicht endlich überwunden wird – von der gewollten medialen Volksverdummung mal abgesehen.

Schlusswort gefällig?

Ich fühle mich als Europäer, weil es mich interessiert, was in Griechenland passiert. Weil ich stundenlang auf YouTube Videos von Demonstrationen in Griechenland und Spanien sehe und erkenne, dass deren Polizisten nicht weniger hart gegen den eigenen Bruder vorgehen, wie es deutsche Polizisten tun.

Ich fühle mich als Europäer, weil ich in Europa die einmalige Chance sehe, dass zusammen wächst, was einfach zusammen gehört. Weil ich erkannt habe, dass die Ursache vielen Übels die Nation als solche, sowie ihre hundert verschiedenen Interpretationen, ist.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen – die Vision des vereinigten Europas ist gigantisch und verlockend – aber nicht mit diesen Politikern, mit diesen Medien, mit diesem System!


Schlagwörter: , , ,
649 Views
1 Kommentare
07.09.12
Kommentieren

Eine Antwort zu “Europa der Völker?”

  1. Anluven sagt:

    Europa war meiner Meinung nach von Anfang an nur ein Konstrukt der Reichen, immer mehr Staaten wurden hineingepresst oder gelockt bis erpresst….Europa geht übrigens bis zum Ural!!!
    Mich hat schon immer interessiert wie es dem Afrikaner geht trotz Nationalstaat….in der DDR wurde der Internationalismus gelehrt und ich merke erst jetzt wieviel Schritte zurück wir eigentlich gefallen sind.
    Wer noch auf eine Besinnung der Politik wartet hat immer noch einen Schleier vor dem freien Blick, eine Blockade, ein naives Bild vom handeln einer gekauften, handlungsunfähigen Politikerkaste.
    Europäer sind nun mal geteilt in viele, viele Kulturen und eine Vereinigung wird immer ein Zwangsakt bleiben….der Schritt Nummer 5 vor dem Schritt Nummer 1.
    Das Bewußtsein bestimmt hier das Sein.
    Ich meine das viele Menschen der DDR-Sozialisation schon immer solidarisch, internationalistisch geprägt dachten, dazu müßen keine Grenzen wegfallen…Grenzenlosigkeit nutzt nur dem etwas der ungehindert ausbeuten möchte.
    Nie war mir die Bedeutung der Mauer so bewußt wie heute, ohne mir nun die Verhältnisse zurück zu wünschen, gäbe es da doch mehr zu betrachten.
    Solange ein Kapitalismus wütet, der Mensch nur für sein eigenes Glück schmiedet…wird es kein wirkliches, glückliches Zusammen geben….so meine Erfahrung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.