Von allen Worten, sei es geschrieben oder gesagt, ist das Traurigste: Es wäre gewesen. Unbekannt

EU erhält Nobelpreis

Gestern, am 12. Oktober 2012, hat das norwegische Nobelpreiskomitee seine Entscheidung veröffentlicht, der Europäischen Union den Friedensnobelpreis zu verleihen. In der Begründung heißt es: „Die Union und ihre Vorgänger haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen. Seit 1945 ist diese Versöhnung Wirklichkeit geworden. Das furchtbare Leiden im Zweiten Weltkrieg zeigte die Notwendigkeit eines neuen Europa. Über 70 Jahre hatten Deutschland und Frankreich drei Kriege ausgefochten. Heute ist Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Das zeigt, wie historische Feinde durch gut ausgerichtete Anstrengungen und den Aufbau gegenseitigen Vertrauens enge Partner werden können.

Außerdem: „Die Arbeit der EU repräsentiert ‚Bruderschaft zwischen den Nationen‘ und entspricht einer Form von ‚Friedenskongress‘, wie Alfred Nobel dies als Kriterium für den Friedenspreis 1895 in seinem Testament umschrieben hat.

Mit Verlaub! Das ist eine Frechheit!

Alfred Nobel, der Erfinder des Sprengsstoffes, der mit seinem rauchschwachen Pulver „Ballistit“ die Schußwaffen revolutionierte und der der Meinung war, dass die Entwicklung einer besonders starken und schrecklichen Vernichtungswaffe die Menschheit von der weiteren Kriegsführung abhalten würde. Dieser Alfred Nobel bestimmte in seinem Testament vom 27. November 1895, dass ein Fünftel der Zinserträge seiner Hinterlassenschaft an denjenigen gehen sollte, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat.

Ist das im Falle der EU der zutreffend? Ich darf doch wohl lachen! Diese Frage zu stellen ist an sich schon eine Farce.

Die EU bzw. der größte Teil ihrer Staaten sind Mitglieder der NATO, der North Atlantic Treaty Organization. Diese NATO hat mit ihren Mitgliedsstaaten mittlerweile mehr Kriege auf dem Gewissen als uns allen lieb sein kann.

Die USA, Großbritannien und andere Mitgliedsstaaten der EU sind, wider besserem Wissen und völkerrechtswidrig in den autonomen Staat Irak einmarschiert. Zumindest die Politiker in Großbritannien haben ihr eigenes Volk willentlich belogen und betrogen um den Golfkrieg begründen zu können. Hundertausende Iraker mussten diese Lügen mit ihrem Leben bezahlen.

Deutschland, Großbritannien und andere Mitglieder der EU fielen infolge der Anschläge vom 11. September in Afghanistan ein und „verteidigten die deutsche Sicherheit am Hindukusch“. Auch in diesem Krieg starben Tausende Zivilisten. Und diesmal konnten sich die Deutschen nichtmal die Hände in „UN“schuld waschen. Schließlich starben etwa 142 völlig unschuldige Menschen aufgrund einer massiven Fehleinschätzung eines deutschen Majors.

Um die Fehlentscheidung des Nobelkomitees zu untermauern, müssen wir aber eigentlich gar keine Kriege aufzählen. Wie schaut es denn mit folgenden Fakten aus?

Deutschland, dieses so unglaublich friedliebende Land, exportierte 2010 Waffen im Wert von etwa 3,1 Milliarden US-Dollar! Darunter Sturmgewehre, Panzer und Kampfflugzeuge sowie sogar U-Boote, welche als mobile Abschussbasen für atomare Sprengköpfe dienen können. Diese Waffen gingen unter anderem in faktische Krisengebiete, wie die Türkei, Israel oder Südafrika. Aber auch Griechenland wurde mit Waffen versorgt, immerhin 15% aller Waffen landeten dort. Griechenland? Ja – genau das Land, dass jetzt in einer heftigen Krise steckt und nicht weiß, wie es das Insulin seiner Diabeteskranken bezahlen soll! Insgesamt exportiert Deutschland übrigens 11% aller weltweiten Waffen. Man könnte den Umkehrschluss ziehen und behaupten, dass Deutschland für 11% aller Leichen verantwortlich ist, die als Folge einer Waffeneinwirkung zu selbigen wurden.

Oder ein anderes Thema: Die EUROGENDFOR, die Europäische Gendarmerietruppe, wurde still und heimlich gegründet und ist seit dem im italienischen Vicenza stationiert. Ihre Aufgabe ist es Krisen in den Mitlgiedsstaaten der EU zu bekämpfen, in dem sie die Aufgaben von Militär oder von Polizei ganz oder teilweise übernimmt bzw. selbige verstärkt.

Anders gesagt, es ist eine multinationale Knüppeltruppe zur Zerschlagung eventuell berechtigter ziviler Aufstände. Durch ihre Multinationalität wird die Hemmschwelle gegen den zu erwartenden Gegner massiv gesenkt, da es ja eh nur ein „dummer Nudelfresser“, ein „fetter Sauerkrautfresser“ oder wer auch immer ist … und eben nicht der Bruder im eigenen Lande.

Wie man es auch dreht und wendet. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten können zwar behaupten, seit dem zweiten Weltkrieg und erst recht seit dem Mauerfall keine Kriege mehr untereinander ausgefochten zu haben. Doch was sie intern versäumen holen sie extern mit Zins und Zinseszins nach- sei es nun direkt und durch Einflussnahme!

Die Krise, in welcher die EU derzeit steckt, zeigt außerdem deutlich, dass den Machthabern der demokratische Wille völlig schnurz ist. Dies zeigt sich umso mehr in Anbedracht diverser Patzer und Äußerungen, wie zum Beispiel von Schäuble zu seinem portugiesischem Amtskollegen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Das norwegische Komitee hat wieder einmal bewiesen, dass seine Nase für richtige Entscheidungen vernschnupft ist. Erst wird mit Obama ein Kandidat in der Hoffnung gekürt, dass er so werden könne, wie der Preis es verlangt. Dann wirft man der EU einen völlig unberechtigten Preis um die Ohren.

Ich kann nur hoffen, dass bei genauer Analyse wenigstens die anderen Preisträger standhalten.

 


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4 Kommentare
13.10.12
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4 Antworten zu “EU erhält Nobelpreis”

  1. Wolf sagt:

    Das war bestimmt nicht der erste „widersprüchliche“ Friedensnobelpreis. Selbst Nelson Mandela, vor dessen Lebenswerk man großen Respekt empfinden kann, hat sich Anfang der 1960er Jahre für den bewaffneten Kampf entschieden und den militärischen Flügel des ANC geleitet …

  2. Goslarer1 sagt:

    Mitte der 80er Jahre hatte Saddam Hussein ein ganzes Dorf mit Giftgas ausgerottet.
    Habt Ihr auch mal in eurer Diskussion die Überlegungen einbezogen, wieviele Menschen noch durch Giftgas ums leben gekommen wären, wenn die USA nicht in den Irak einmaschiert wären?
    Auch in allen anderen Ländern gab es abertausende von Toten durch das Regime, bevor die Nato dort einmaschierte.
    Die Nato ist noch nie in einem Land einmaschiert ohne ausreichende Begründungen. Wenn ein Volk stirbt, weil ein Diktator an seiner Macht festhält, dann ist das ein Grund dort zu handeln um dem Gemetzele ein Ende zu bereiten. Natürlich geht das leider nicht immer ohne Verluste unschuldiger Bürger.

  3. peter sagt:

    Bin ebenso gegen die Auszeichnung, allerdings wegen des fehlenden zeitlichen Bezuges zwischen Leistung und Anerkennung, das ist mir zu willkürlich. Trotzdem kannst du nicht die EU für alles, was ihre Mitgliedsstaaten so treiben, verantwortlich machen. Genau dadurch entsteht erst die verbreitete Europaablehnung. Dass Deutschland für 11% der Kriegswaffentoten verantwortlich ist, bezeichne ich mal zurückhaltend als polemisch. Immerhin exportieren wir vor allem Großgerät, dass nicht ständig in Bürgerkriegsgebieten zur Anwendung könnt. Außerdem gibt es Exportbeschränkungen, wenn auch intransparente. Wenn Dtl. seine Rüstungsindustrie einstampft, haben wir Arbeitslosigkeit, weniger Einfluss und andere Länder stehen schon bereit, den Job zu übernehmen. Ich glaube, hier treffen Ansichten eines Idealisten mit denen eines Realisten aufeinander ;-) Grüße, Peter

    • Oyabun sagt:

      Lieber Peter,

      Du kannst natürlich dieser Meinung als Realist sein, aber es kommt sogar noch viel besser als „nur“ 11% deutscher Anteil der weltweiten Rüstungsexporte. Addiert man nämlich alle Exporte der EU-Länder zusammen, kommt man auf kräftige 31% !!! Außerdem ist jeder Arbeitslose, der keine Waffen produziert, ein guter Arbeitsloser, denn er macht sich nicht des Mordes/Totschlags schuldig. Zu guter Letzt: Wenn man die EU, die ja früher oder später die komplette Außenpolitik der Mitgliedsstaaten übernehmen soll, nicht für ihre Länder zumindest mitverantwortlich machen kann … wen den dann?

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