Die Menschen gehen lieber zugrunde, als dass sie ihre Gewohnheiten ändern. Leo Tolstoi

… drum prüfe Deine Worte

Die deutsche Sprache ist einmalig in der Welt und bietet Chancen und Möglichkeiten, welche keine andere Sprache bietet. Wir können völlig neue Worte erschaffen, indem wir einfach zwei existierende Worte verbinden – die zusammengesetzten Hauptwörter (Substantive). Seit circa 1260 Jahren durchlief diese unsrige Muttersprache mehrere große Phasen, geprägt von Lautwandeln, Monophthongierungen,  Diphthongierungen und starken Einflüssen andere Sprachen. Letztere gab dem Deutschen eine bunte Schattierung, denn unsere Sprache ist durchsetzt von Entlehnungen andere Sprachen. Doch haben diese alle Sinn?

Die Politik in Deutschland schafft es außerdem immer wieder Wörter zu bilden, welche völliger Nonsens sind – oder es werden Wörter direkt absichtlich mit einer bestimmten Assoziation versehen … ganz im Sinne der herrschenden Klasse. Hier ein paar Beispiele:

„Radikale Autonome randalieren wieder“

Diese oder ähnliche Sätze hört man jeden 1. Mai und jeden 14. Februar. Aber halt! „Radikal“ stammt von dem lateinischen Wort „radix„, was wiederum „Wurzel“ heißt. Ein Radikaler möchte also, so die ursprüngliche Bedeutung, bestehende Misstände an der Wurzel packen und verändern, verbessern. Die „Autonomie“ ist ebenfalls eine eigentlich sehr erstrebenswerte Sache. Denn wer autonom ist  „sich selbst Gesetze gebend, eigengesetzlich, selbständig“  (altgriechisch αὐτονομία, autonomía,). Autonomie bedeutet also einen erstrebenswerten Zustand der Selbständigkeit, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Selbstverwaltung oder Entscheidungsfreiheit. Was erinnert daran also bitte an bekloppte Randalierer?

Lediglich das „Randalieren“ ist ein Neuschöpfung  aus dem zu Beginn des 19. Jahrhunderts üblichen studentensprachlichen Begriff  „Rand“ für „Lärm“, „Tumult“ sowie dem bekannten Wort „Skandal“ für „Schande“, „Ärgernis“. Die 68er Bewegung griff dieses aus der Mode geratene Wort wieder auf und bildete durch ein angefügtes e am Ende des Wortes die heutige Randale.

Ergo ist ein „radikaler Autonom“ ein Mensch, der seine vollständige Freiheit damit erreichen möchte, in dem er das Übel, welches ihn gefangen hält, an der Wurzel packt und herausreißt. Da es aber in kaum einem Staat der Welt irgendeine Variante des Revolutionsrechts gibt und alle Staaten der Welt das Gewaltmonopol auf sich beziehen, muss eine solche „radikale“ Befreiung, welche natürlich auch revolutionären Charakter haben muss, abseits der bestehenden Gesetzmäßigkeiten passieren – also randalierend.

P.S.: Die bloße Zerstörungswut postpubertärender Pickelgesichter ist hier natürlich nicht legitimiert.

Wovor schützt der Euro-Rettungsschirm?

Zu diesem interessanten Wort nur einige Analogien:

  1. Der Regenschirm ist ein Schirm, welcher vor Regen schützen soll.
  2. Der Sonnenschirm ist ein Schirm, der vor Sonne schützen soll.

Soll also ein Rettungsschirm vor Rettung schützen?

Macht das Sinn?

Der Sinn einer Sache, einer Handlung oder einer Aussage liegt in seiner oder ihrer Bedeutung. Man kann also sagen, dass das Wörtchen „Sinn“ gleichzusetzen ist mit dem Wörtchen „Bedeutung“, wenn auch nicht nur. Andere Wörter wären zum Beispiel „Wert“ oder auch „Intention“. Letzteres in einer anderen Bedeutung des Wortes „Sinn“.

Kann eine Sache oder eine Handlung Bedeutung machen?

Dass etwas Sinn machen kann ist ein Beispiel, wie englische Einflüsse den Sinn einer deutschen Redewendung völlig vernichten kann. Sinn kann nicht produziert oder gemacht werden. Etwas hat Sinn oder nicht.

  • Deine Worte haben Sinn!
  • Die Sinnhaftigkeit Deiner Taten ist zweifelhaft.
  • Das ergibt keinen Sinn!

Kurz: Dass Worte Sinn machen können ist völlig sinnfrei.

Sagen uns die Nachrichten die Nachrichten?

Die Nachrichten erzählen uns jeden Tag, zum Teil im 15 Minutentakt, was auf der Welt geschehen ist. Sie filtern Informationen und geben diese, angeblich wertfrei, wider. Die Nachrichten – die Nach + richten – das, wonach wir uns richten sollen. Der Prozess der Nachrichten ist demnach eher Propaganda denn Information, denn vergleiche die Definitionen dieser beiden Begriffe:

  • Information => über alles Wichtige in Kenntnis setzende Mitteilung
  • Propaganda => Verbreitung politischer oder weltanschaulicher Ideen

Und wer entscheidet, was wichtig ist? Zumindest so wichtig, dass die breite Bevölkerung es im Rahmen der Nachrichten erfahren muss? Meines Erachtens entscheidet dies eben kein demokratisch legitimiertes Gremium. Stattdessen entscheiden auf öffentlich-rechtlicher Ebene Gremien, welche mit Menschen durchsetzt sind, die politische Interessen vertreten (vgl. Rundfunkrat). Auf privater Ebene entscheiden rein wirtschaftliche Interessen über den Informationsgehalt einer Nachricht.

Die Nachrichten unserer Gesellschaft sind  per definitionem keine Nachrichten, denn Nachrichten müssen frei sein, unabhängig und ehrlich. Sie sollen berichten und nicht filtern. Nachrichten sollen eine schriftliche oder hinterlassene Mitteilung von Informationen sein … mehr nicht.

Kinderarmut ist ein ernstes Thema…

sagt Staatsmama Ursula. Sie hat recht, aber nicht wie sie denkt!

In der formalen Logik überprüft man den Wahrheitsgehalt einer Aussage indem man ihr Gegenteil behauptet. Das Gegenteil von Kinderarmut, welches ja in der Bedeutung von „armen Kindern“, also an Armut leidenden Kindern, genutzt wird wäre Kinderreichtum. Hört man Kinderreichtum, denkt man jedoch eben nicht an Kinder, welche in Goldbetten liegen und nur Champagner trinken. Kinderreichtum ist das, was jedes Volk anstrebt – der Reichtum an Kindern, also an Nachwuchs.

Kinderarmut ist also das Fehlen von Nachwuchs und eben nicht die Armut eines Kindes!

Aber warum wird dieses Wort derart falsch verwendet? Nur ein Denkanstoß sei geschrieben. Ein erwachsener Mensch, der als arm bezeichnet wird, wird interessanterweise selten aus diakonischen oder anderen „guten“ Beweggründen als arm bezeichnet. Viel mehr fällt dieses Wort (in Medien und Politik etc.) um damit zu verdeutlichen, dass dieser Mensch als Wirtschaftsfaktor im Sinne eines Konsumenten weg fällt. Ein „Armer“ ist, laut Politik, nicht frei – also nicht frei zu konsumieren, denn unsere Freiheit im Rahmen der Marktwirtschaft zeichnet sich als Freiheit im Konsum aus.

Die Kinderarmut also in ihrer falschen Bedeutung würde in diesem Falle Kinder zu Wirtschaftsfaktoren degradieren … wahrlich eine fragliche Bedeutung, oder nicht?

 

Bis hier und nicht weiter, vorerst … insofern Du die Lektüre dieser 4 kleinen Anekdoten interessant fandest, freute ich mich sehr über einen Facebook-Like, eine Empfehlung via GooglePlus oder und viel mehr über einen Kommentar.


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2 Kommentare
11.09.12
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2 Antworten zu “… drum prüfe Deine Worte”

  1. maske sagt:

    weiteres beispiel für verdrehungen(kinderarmut): arbeitgeber(gibt er die arbeit, oder nimmt er sie….? er nimmt sie und gibt geld dafür….) analog hierzu: arbeitnehmer…. oder verteidigungsministerium, früher kriegsministerium…. bitte ergänzen…. http://www.youtube.com/watch?v=Cf7OT1u6p1M

  2. Biggi (Birgit Bauhaus) sagt:

    Dankeschön!
    Supergut in der Formulierung und fein in der Darstellung, gefällt mir ausgezeichnet, wie Du/Sie die deutsche Sprache „sezieren“, bzw. den derzeitigen allgemeinen Umgang mit ihr!
    Ich selbst rede üblicherweise wie mir „der Schnabel“ gewachsen ist, aber viele Wortschöpfungen – besser „Missbildungen“ – gefallen mir auch nicht!
    Sprache soll ja lebendig sein, ich liebe meine „rheinische sing-sang Sprache“, auch Dialekt genannt!
    Aber solche „Dummwörter“ gehen mir auch oft gewaltig auf die Nerven!
    Deshalb: ich danke herzlich lachend über diese Aufschlüsselung der sogenannten „intellektuellen Unwörter“, die angeblich gebildete Menschen ausstreuen über dem ach so dummen Volk!

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