Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt. Johann Christoph Friedrich von Schiller

Dieser eine Hintern …

Irgendwo stand dieses Hotel. In einer Stadt, die nicht der Rede wert ist. Das Hotel war schäbig und warb mit einer Bewertung, welche schon seit Jahren abgelaufen war. Spinnweben, Schmutz und knarrende Betten, dick übermalte  Glastüren, sich von dem alten Gemäuer lösende Vertäfelungen und ein Concierge, der vermutlich nicht mal als Salzstein für die Tiere im Wald hätte herhalten können waren Anlass genug dieses eine bestimmte Hotel nie wieder zu besuchen.

48 Euro pro Nacht und das Zimmer war kaum dunkel zu bekommen, da eine Laterne tief orange durch die Fenster strahlte und das Zimmer die gesamte Nacht in ein schummriges Licht legte. Das Bett knarzte und ächzte und die Luftsauganlage des Bads mit Toilette offenbarte jedem Nachbarn mein Anliegen.

dieser Hintern

dieser Hintern

Ich sehe Deinen Hintern vor mir. Die Laterne vor den Fenstern spendet uns gerade so viel Licht, dass ich die weiche Rundung Deines Pos glasklar erkennen kann. Deine Wirbelsäule zeichnet sich markant in Deinem so schlanken, so muskulösen Rücken und lässt mich erstaunen und lässt erkennen, wie sehr Du mir Deinen Hintern entgegen streckst.

Deine braunen Haare fallen zur Seite, als Du Deinen Kopf zu mir wendest. Mit fragenden Augen schaust Du mich leicht verdutzt an. Du wunderst Dich scheinbar in der Tat, weswegen ich mir diesen kurzen Moment der Beobachtung schenke. Zu schön ist sie, diese eine Sekunde. Zu unerwartet kam dies alles.

It makes everything easier. No long term things“ hattest Du geschrieben und „If you wait in life for good things… they taste better“. Wie verdammt falsch Du lagst und wie verdammt Recht Du hattest.

Nicht langes, nichts kompliziertes wollten wir. Sich treffen, sich vögeln, sich trennen. Lachen und die Spannung des anderen Körper erkunden. Vielleicht die erste Scham mit etwas Gin wegtrinken. Die innere Leere, die Verzweiflung und die Zweifel, das ganze Alltagsgedöns und die Gedanken an das gestern einfach wegficken. Was hätte dagegen gesprochen?

Alles, offensichtlich. Es funktionierte vielleicht so häufig davor und gab für ein paar Stunden die Illusion von Nähe und Geborgenheit. Diesmal war es anders. Diesmal half es nicht … oder half es eher zu gut. Denn wo man sich sonst umarmte und küsste und vergaß, sobald die Stunden vergingen, blieb es diesmal und bohrte.

Dein Hintern glänzt vom Schweiß. Ich drehe Dich zu mir und setz Dich auf mich. Wir schauen uns in die Augen, als wir verschmelzen. Ich spüre diese Wärme. Ich spüre, dass sich das so richtig anfühlt. Ich spüre, dass Deine braunen Augen, welche mich verbrennen und löschen zu gleich, genau die Augen sind, die ich brauche. Ich spüre, dass deine Haut und meine Haut sich so verdammt gut leiden können, dass sie in jeder Position den größtmöglichen Kontakt suchen.

Als Du beginnst Dich zu bewegen, während ich Dich an Hintern und Rücken an mich drücke, löse ich mich auf und vergehe.

Wie unerwartet spielt das Leben Pingpong mit uns? Wie dreist und frech durchkreuzt es unsere Pläne? In der einen Sekunde sind wir Opfer des Schicksals und taumeln am Rand eines tiefen, schwarzen Abgrunds. In der nächsten setzt sich ein so schönes, ein uns so nahes Geschöpf auf unseren Schoß und reitet und lacht und tanzt uns in Höhen, die jeden Abgrund vergessen lassen.

Was passiert, wenn alles anders kommt? Was macht es aus uns, wenn unsere Pläne und unsere Vorhaben mit einem Lächeln und einem Kuss und einem Lachen und einem erotisch ausländischen Akzent wie Federn davongeblasen werden?

Es macht Menschen aus uns. Menschen sind eben nicht kohärent. Sie sind eben auch nicht konsequent. Sie können es gar nicht, wenn dieses eine Geschöpf seine Waben spinnt. Und sind sie es doch, so tun sie mir leid, denn sie verpassen die vielleicht beste Erfahrung von allen.

Dieses eine Hotel war schäbig. Der Concierge verdiente seinen Titel nicht. Doch dieser Hintern …

Dieser eine Hintern …


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15.10.15
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