Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht. Erich Fried

Die Demokratie – weg gesprüht

Dass Polizeikräfte weltweit zum Teil alles andere als zimperlich mit dem staatlichen Gewaltmonopol umgehen, sollte eigentlich jedem hinreichend bekannt sein. Doch was wir nun anhand diverser Aufnahmen und Bildstrecken via Youtube und anderen Quellen sehen sprengt jeden menschlichen Rahmen. 

Am 18. November 2011 wurde ein Sit-in (Sitzstreik) einer friedlichen Studentenbewegung auf dem Campus der Universität von Kalifornien in Davis mittels massiver körperlicher Gewalt aufgelöst.

Die Studenten hatten ein Zeltlager von insgesamt 25 Zelten aus Solidarität zu der derzeit weltweit wabernden Occupy-Bewegung aufgebaut und am besagten Tag ein Sit-in auf dem Campus veranstaltet.

Auf den Videos sieht man nun, wie die Studenten absolut friedlich und ohne jedwede Provokation auf dem Bürgersteig sitzen. Mehrere Polizisten nähern sich und sprechen mit vereinzelten Streikteilnehmern. Die umstehenden Studenten sowie den Streikenden war wohl nicht bewusst, wie schmerzlos die der Universität direkt unterstellten Polizisten handeln würden.

Ein Polizist spielt einige Minuten mit einer Pfefferspraydose, schüttelt sie und watschelt auf und ab. Vielleicht hadert er mit sich selbst und seinem Gewissen? Vielleicht spielt er aber auch nur den machtvollen Platzhirsch? Wir werden es wohl nie erfahren.

Schließlich steigt er über die Reihe der Sitzenden, hebt die Pfefferspraydose hoch in die Luft und zeigt sie, wie ein Ritter sein Schwert, der Menge. Daraufhin richtet er sie gegen die vor ihm sitzende Reihe und beginnt die Menschen direkt und gezielt mit Spray zu besprühen. Die Umstehenden können es nicht fassen und brüllen im Chor: „Shame on you! Shame on you!“ und „The whole world ist watching!“ In der Folge wurde, wie als hätte man es vergessen, selbstverständlich noch mächtig auf die Sitzenden und sich vor Schmerz krümmenden Protestierer mit Schlagstock eingeschlagen.

Gemäß einigen Quellen wurden mehrere Studenten verletzt und bedurften medizinischer Behandlung. Es ist sogar davon die Rede, dass ein Student „Blut spuckte“.

Doch was bedeutet das alles? Ist das wirklich alles so normal, wie es mir einige aus meinem Bekanntenkreis begreiflich machen wollen? Sollte eine Polizei so etwas wirklich dürfen? Und was ist da eigentlich genau geschehen?

Pfefferspray beinhaltet ein Öl namens Oleoresin Capsicum. Dieses Öl wird meist aus der Paprikapflanze gewonnen und bewirkt beim Menschen heftig brennende, stark tränende Augen, wobei es vereinzelt zu einer befristeten Erblindung führen kann. Weiterhin wirkt es hustenauslösend und blutdruckerhöhend und kann bei Asthmatikern einen asthmatischen Anfall auslösen. Zu guter Letzt reagiert der Körper mit einer Histaminausschüttung (entspricht einer allergischen Reaktion) wodurch es zu Quaddelbildung und Hautreizung, Schwellungen oder sogar Blasenbildung.

Kurzum … Pfefferspray ist eine Waffe! Und als solche wird es auch in vielen Staaten behandelt, auch in Deutschland, wo es unter das Waffengesetz fällt. In Belgien, Niederlande und Griechenland ist gar ganz verboten. Und in den USA? Wer hätte es gedacht? Das waffengeile Ländchen am anderen Ende des großen Sees hat Pfefferspray natürlich nicht verboten!

Wie auch immer. Trotzdem ist es eine Waffe … und das schlendert ein Polizist seelenruhig eine Menschenreihe entlang „exekutiert“ die vor ihm sitzenden Hilflosen mit einem süffisantem Lächeln vor sich hin.

HALLO? Geht’s noch?

Wo sind denn die demokratischen Grundrechte eines Menschen in diesem Land, das von sich behauptet die erste Demokratie vor allen anderen der Welt zu sein? Was ist denn bitte mit dem

  • Recht auf freie Meinungsäußerung, dem
  • Recht auf körperliche Unversehrtheit und nicht zu Letzt dem
  • Recht auf Versammlung und dem
  • Recht auf menschenwürdige Behandlung?

Alles weg gesprüht mit blutrotem Pfefferspray!

Und die Moral?

Drei suspendierte Beamte und eine speichelleckende Direktorin (die übrigens die direkte Vorgesetzte der Polizisten ist) …

Shame on you! Shame on you! Shame on you! Shame on you! Shame on you! Shame on you! Shame on you! Shame on you! Shame on you!

Bildstrecke und weitere Filmaufnahmen aus anderen Perspektiven
Artikel des Spiegel Online


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22.11.11
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