Gewohnheit versöhnt die Menschen mit jeder Gräueltat. George Bernard Shaw

…der Worte Sinn

Wie bereits in einem anderen Artikel ergründet, ist die deutsche Sprache ein Segen und ein Fluch zugleich. Ein Segen, da sie, wie keine andere, flexibel und tiefsinnig ist. Ein Fluch, da sie leicht missverstanden und missbraucht werden kann. In diesem Artikel folgen weitere Beispiele.

Privatisierte Verträge können leicht nicht ansprechbar sein, erst recht in einer Demokratie.

Dieser Satz wirkt unverständlich? Dann schauen wir uns seine Bestandteile mal etwas näher an und bringen Licht ins Dunkel!

Vertrag ist Vertrag!

Einen Vertrag zu schließen ist Grundlage des öffentlichen Lebens. Wir schließen Verträge mit Banken und Vermietern, mit Bäckersfrauen und Arbeitgebern – kurz eigentlich mit allen, denen wir Geld geben oder von denen wir Geld bekommen. Verträge werden in der heutigen Zeit sogar zum Knebeln genutzt. Nichts anderes passiert in einem sog. Knebelvertrag, zum Beispiel mit RTL.

Ein Vertrag, sie zu knechten, sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

Doch sind Verträge wirklich so schlimm?

„Vertrag“ leitet sich aus dem altgotischen „ga-dragan“ ab, was soviel wie „tragen“ hieß, und teilt sich heute den Wortstamm mit „vertragen“. Der Vertrag ist also eine Vereinbarung zweier Parteien, welcher einen Kompromiss darstellt um Konflikten auszuweichen – sich zu vertragen.

Dies wird besonders deutlich, betrachtet man ein anderes Wort: „Kapitulation“. Kapitulieren, denkt man, bedeutet „Aufgeben“ in einem Moment, wenn man denkt unterlegen zu sein. Doch in der Tat stammt es aus dem Französischem und bedeutet vielmehr „einen Vertrag verhandeln“ (capituler) oder „Vertragsartikel“ (capitulation).

Wenn wir einen Vertrag schließen, dann einigen wir uns mit einem Vertragspartner (Partner vom mittelenglischen „parcener“ für „Teilhaber“) in einer bestimmten Sache. Das sollten sich einige Menschen dann und wann in Erinnerung rufen.

Wir müssen privatisieren!

Ich, als Ossi, weiß, dass das Privatisieren von ehemals staatlichen Betrieben der Wirtschaft gut tut. Das zumindest zwitschern die Spatzen seit der Wende von allen Dächern. Privatisieren bedeutet, so die Spatzen, wirtschaftlichen Erfolg, erhöhte Profite und reichere Menschen. Die Geschichte lehrt uns jedoch Anderes, schließlich träumen mittlerweile wieder viele Kommunen davon die unter Wert veräußerten Betriebe (Verkehr, Wasser, Strom und anderes) wieder in die eigene Hand zu bekommen. Hätte man mal genauer hingeschaut, hätte man es vorher wissen können.

„Privat“ ist kein deutsches Wort, sondern entstammt dem lateinischen „privare„. Und „privare“ heißt nichts anderes als „berauben“ oder „Recht vorenthalten“! Es gibt zwar auch Quellen, die von „befreien“ reden, doch von wem soll eine Privatisierung denn bitte befreien? Schließlich befindet sich ein zu privatisierendes Unternehmen in der Hand des Staates – und der Staat ist in Deutschland das Volk.

Eine Privatisierung beraubt ergo das Volk!

Der Patient ist nicht ansprechbar!

Ich arbeite im Rettungsdienst und höre diese Konstruktion ziemlich häufig – sogar von Kollegen, von Ärzten, von Leitstellendisponenten. Sie alle meinen damit, dass der Patient bewusstlos ist und dementsprechend nicht mehr auf Ansprache reagiert. Aber ist er wirklich nicht ansprechbar?

Das Suffix (die Endsilbe) -bar kann mit können umschrieben werden. Das heißt, dass etwas, das geschafft werden kann, schaffbar ist. Etwas, das gekauft werden kann, kaufbar ist. Eine Krankheit, die geheilt werden kann, heilbar ist.

Ist etwas nun aber nicht schaffbar, dann hindert mich etwas daran, es zu schaffen. Die Umstände oder meine Fähigkeiten sind dieses Etwas. Andere Umstände oder die Fähigkeiten eines Anderen könnten es aber schaffen.

Ist eine Krankheit nun aber nicht heilbar, dann hindert mich etwas daran, sie zu heilen. Die Umstände oder meine Fähigkeiten sind dieses Etwas. Andere Umstände oder die Fähigkeiten eines Anderen könnten sie aber heilen.

Ist eine Person nicht ansprechbar, dann ist es also entweder mein Unvermögen zu sprechen (nicht heilbar = ich kann es nicht heilen | nicht ansprechbar = ich kann es nicht ansprechen) oder aber ein Umstand hindert mich daran.

Vielleicht sollte jemand, der nicht ansprechbar ist, also erst einmal aus der viel zu lauten Diskothek verbracht werden und dann ganz normal angesprochen werden.

Die Demokratie exportieren

… ist der Sinn, warum unsere Soldaten gerade ihren Arsch am Hindukusch riskieren. Die bedeutet, dass wir in einer solchen leben müssen, denn was man nicht hat, kann man auch nicht exportieren. Wir leben also in einer Demokratie, einer „Herrschaft des Volkes“? Na sehen wir doch mal:

Demokratie stammt vom griechischen Wort „δῆμος“ – „demos“ ab, welches, so wird geschult, „Volk“ heißen soll. In der Tat heißt es das nicht. Stattdessen umschreibt Demos die kleinste Verwaltungseinheit innerhalb einer Polis (Stadt, Staat). Es ist also die Dorfgemeinde gemeint. Aber nicht nur das! Denn kennt man sich ein wenig mit der alten griechischen Gesellschaft aus, dann weiß man, dass nur der wirklich von Bedeutung war, der frei, wohnhaft, männlich und inländisch war. Frauen, Unfreie, Obachlose und Ausländer hatten kein Wahlrecht und gehörten daher auch nicht zum sog. „Volk“.

„Demos“ steht daher im klaren Gegensatz zu „Ethnos“ – „ἔθνος“. Letzteres umschreibt eine Gruppe von Menschen, denen eine kollektive Identität zugesprochen wird. Hier sind also alle gemeint, die aus irgendeinem Grund ein „Wir“ definieren.

Demzufolge soll also Deutschland, dieses Achtzigmillionenland, auf der Basis der dörflichen Gemeinde regiert werden? Wo liegt denn da bitte der Sinn? Eine „Herrschaft der dörflichen Gemeinde“ ist in unserem Land schlicht nicht möglich! Das Wort „Demokratie“ ist also ziemlicher Unsinn und beschreibt auf keinen Fall die Situation.

Wie wäre aber eine „Ethnokratie“ – eine Herrschaft aller, die aufgrund des gewollten und langjährigen Aufenthalts innerhalb der deutschen Grenzen oder die aufgrund der gemeinsamen deutschen Sprache ein „Wir“ definieren?


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2 Kommentare
25.10.12
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2 Antworten zu “…der Worte Sinn”

  1. a.wie.a sagt:

    Wie wäre eine Ethnokratie, die sich aus der Herrschaft ALLER Ethnien zusammensetzt (also alle Ethnien, welche die Erde bevölkern), denn das WIR bildet sich allein daraus, dass wir alle auf der selben Welt leben, die selbe Luft atmen, die selben Sonne brauchen, die Gezeiten vom selben Mond ausgelöst werden… deutsche Grenzen sind in der heutigen Situation doch wirklich zweitrangig oder nicht???
    Vielleicht kann dieses WIR auch aus dem Wunsch nach einer solidarischen Menschheit in Einklang mit der Erde bestehen?!!!
    Ansonsten ein interessanter Beitrag…

    • Oyabun sagt:

      Da hast Du unzweifelhaft Recht. Ich entschied mich jedoch, selbst auf die Gefahr hin falsch verstanden zu werden, erstmal für die kleineren Grenzen. Es ist schon schwer zu vermitteln, dass das Schicksal des Griechen eng mit unserem Schicksal verknüpft ist. Da ist es fast unmöglich zu erklären, dass das mit dem Schicksal des Inders, des Kenianers und der Inuit das Gleiche ist.

      Danke für den schönen Kommentar.

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