Kein Mensch muss müssen. Gotthold Ephraim Lessing

…der Worte Nutzen, frei putzen

Nach einer längeren Pause, wegen Krankheit, melde ich mich nun mit einem weiteren kleinen Artikel zur deutschen Sprache zurück. Diese deutsche Sprache, so wie eigentlich jede andere Sprache ja auch, hat die Eigenart nahezu jeden Sachverhalt präzise darstellen zu können. Vielleicht kann sie das jedoch sogar etwas präziser als andere Sprachen, da sie über ein wichtiges Werkzeug verfügt. Dazu später mehr.

Um jedoch überhaupt korrekt und präzise sprechen zu können, ist es eingangs notwendig, sich selbst eigentlich permanent zu zuhören. So kontrollieren wir nämlich, was wir da eigentlich von uns geben und ob unser Gegenüber uns überhaupt verstehen kann. Diese Selbstreflexion ist, gelinde gesagt, im alltäglichen Sprachgebrauch völlig außer Mode gekommen, was mich zum ersten Punkt führt.

„Wie wollen wir bezahlen?“

, fragte mich die Dame an der Theke und meinte damit, ob ich mit Bargeld oder mit Karte bezahlen möchte. Meine Antwort schien sie jedoch mächtig zu irritieren, denn ich bedankte mich für ihren Altruismus und machte mich an die Verabschiedung. Kurz danach fragte mich dann die Kassiererin an der Kasse des Supermarkts, ob wir den Bon bräuchten und war ebenfalls äußerst verstört als ich meinte, dass ich selbigen nicht benötigen würde, sie sich ihn aber gerne einstecken könne.

Ich denke, dieser Punkt ist nun deutlich geworden. Die Ansprache einer Person in der ersten Person Plural entbehrt jedweder Logik und Höflichkeit. Es wirkt irgendwie herablassend und kann nur mit einer ähnlich sinnbefreiten Antwort geahndet werden.

Eine ehemalige Kollegin meiner selbst befragte ihre Patienten auf diese Weise dann auch durch ihre Körpersprache unterstützt. Mit dem Rücken zum Patienten stehend, Augenkontakt vermeidend, in einem unhöflichen und herrischem Ton fielen dann Formulierungen, wie: „Haben wir denn unsere Medikamente heute genommen?“, oder: „Welche Krankheiten haben wir denn?“. Ich gestehe! Ich war froh, als sie ging.

Wer nimmt und wer gibt?

Eingehend sprach ich eine besondere Eigenart des Deutschen an. Die Eigenart ist die Fähigkeit aus zwei nahezu beliebigen Wörtern ein neues Hauptwort zu bilden. Dadurch erreicht unsere Muttersprache durch Kombination eine theoretische Vielfalt von atemraubendem Umfang. Beschränkt wird die Vielfalt jedoch durch die Sinnhaftigkeit der entstehenden Wörter beziehungsweise durch deren sinnvolle Nutzung.

Was ist ein Arbeitnehmer und was ist ein Arbeitgeber?

Laut diversen Definitionsversuchen „Wikipedia, Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, ist ersterer ein Mensch, der die Arbeit des Arbeitgebers annimmt, indem er seine Arbeitskraft weisungsgebunden gegen einen Lohn zur Verfügung stellt. In meinen Augen ist das völliger Quark.

Ich als „Arbeitnehmer“ bin der eigentliche Arbeitgeber, denn ich gebe meine Arbeit, ich stelle meine Arbeit in den Dienst eines Arbeitnehmers, der diese Arbeitsleistung dann nimmt, in einen größeren Kontext stellt, verwertet und mich dafür dann entlohnt.

Präzise gesagt müsste es also umgekehrt lauten oder anders betitelt werden. Der „Arbeitsstellengeber“ würde mir dann eine Arbeitsstelle geben. Ich als „Dienstleister“ leistete dann im Rahmen dieser Arbeitsstelle meinen Dienst – zum Beispiel.

 

Das soll es fürs Erste gewesen sein. Du hast/Sie haben Vorschläge für grauenhafte Nutzungen der deutschen Sprache oder von Fremdwörtern, für schlimme Verballhornungen oder andere Unmöglichkeiten? Dann freue ich mich auf Vorschläge.


Schlagwörter: ,
622 Views
2 Kommentare
26.01.13
Kommentieren

2 Antworten zu “…der Worte Nutzen, frei putzen”

  1. Jochen sagt:

    Ein inflationärer verbaler Nervfaktor ist auch die Verwendung von „Du“, wenn eigentlich „man“ gemeint ist (oder gar einfach nur eine bestimmte Drittperson gemeint ist). Weit verbreitet unter Fußballern z.B.

    „Herr Kahn, warum haben die Bayern verloren?“
    „Wenn der Gegner offensiv spielt, dann musst DU die Räume nutzen. Da musst DU dagegenhalten“.

    Mein Kommentar: Ähem, wenn DU mir ständig sagst, was ich zu tun habe, dann musst DU auch mit einer Rhetourkutsche rechnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.