Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell

Demokratie wider Willen

Die Deutschen haben gewählt, und zwar ziemlich scheiße. Bundesweit haben 12,6 Prozent aller Wahlberechtigten ihr Vertrauen einer Partei gegeben, die nicht nur rassistisch, ausländerfeindlich, frauenfeindlich und zutiefst konservativ ist. Sie haben vor allem einer Partei ihre Stimmen gegeben, die de facto kein Programm hat, die auch, nach Gaulands Aussagen, gar nicht daran interessiert ist konstruktiv in einer Parlament zu agieren…

Bundestagswahlergebnisse 2017

Bundestagswahlergebnisse 2017

Mein Heimatbundesland Sachsen hat zu 27,0 Prozent diese Perversität einer Partei gewählt. Damit würde sie, wiederholte sich dieses Ergebnis in zwei Jahren zur Wahl des Landtags, sogar den Ministerpräsidenten stellen und eine Regierung führen. Allein die Vorstellung, dass in meiner schönen, hübsch wieder aufgebauten Heimat eine solche Partei die Geschicke der Menschen lenken und leiten soll, generiert einen Vomitus höchster Güte.

Dieses heutige Volk, welches in panischer Angst und blindem Hass und wenig nachvollziehbarer Wut sein Heil (Wortwitz) in der AfD sucht, musste kein wahrlich großes Leid ertragen. Ja, es gab da mal eine Mauer und ja, „Vürtsch Jahre hamse uns bedrogn“, und ja, dieses kleine Völkchen durfte nicht reisen wie all die anderen freien Völker, die sich es dafür aber nicht leisten konnten. Und doch ertrugen sie keinen schwarzen Freitag, keine Weltwirtschaftskrise mit Brotpreisen von mehreren Tausenden Mark. Sie mussten keine demütigende Niederlage in einem selbst initiierten Weltkrieg runterschlucken und diese zur Auflösung der eigenen kognitiven Dissonanz in einer Dolchstoßlegende verklären.

Die Erfolge der AfD sind also nicht mit denen der NSDASP zu vergleichen. Sie liegen in anderen Dingen verborgen.

Sein wir doch mal ehrlich! Die AfD ist scheiße in allen Bereichen. Sie hat nicht mal einen charismatischen Anführer, wie es ihn damals gab oder wie es vergleichbar bekloppte Parteien in unseren Nachbarländern haben. Sie punkten bei den Menschen nicht mit Charisma und nicht mit Argumenten. Sie überzeugen weder durch Inhalte, wie übrigens die wenigsten Parteien, und nicht durch besonders ausgefeilte Lösungsansätze.

Die AfD ist gerade im Osten so stark geworden, weil sie genau das macht, was der gemeine Ostdeutsche eben auch am besten kann – meckern. „Alles ist scheiße. Alle sind scheiße. Jeder will nur betrügen und wir sind die armen Lämmer, die die Kapriolen der Reichen, Mächtigen und Schönen ausbaden müssen.“ Das ist das abendliche Gebet des AfDlers, das ist sein Mantra. In seinem Leid und seinem Elend kann er aufgehen, fühlt sich verstanden und findet Freunde. Gleichzeitig findet er Gehör, via iPhone auf Facebook, fährt in seinem dicken SUV von seinem auf Kredit bezahlten Häuschen im Speckgürtel einer brummenden Stadt zur PEGIDA-Demo, wo er dann die neueste Version seines Mantras empfängt.

AfDler sind keine kreativen Köpfe. Sie vermögen sich lediglich zu inszenieren, als Opfer einer mutmaßlich feindlichen Umwelt. Sie verneinen wissenschaftliche Erkenntnisse und lassen nur jene gefühlte Wahrheit zu, die ihrem Weltbild von Gut und Böse entspricht. Klimawandel, Ausbeutung der dritten Welt, Peak of Oil, Flüchtlinge als Folgen des eigenen Konsumwahns? Alles Lüge, alles Ablenkung der Bilderberger, der Merkels und Schulzes.

AfDler werden nie und nirgends Verantwortung freiwillig übernehmen, da sie dann nämlich handeln und entscheiden müssten. Sie müssten ihre Hände schmutzig machen und könnten anhand ihrer Taten gemessen und bewertet werden. Insgeheim, oder ganz offensichtlich, verachten sie die Instrumente dieser Demokratie. Sie wollen sie auch nicht reformieren, was sicherlich nicht ganz schlecht wäre, sie wollen sie vernichten, aushöhlen und lähmen. Ihre parlamentarische Arbeit wird daraus bestehen alles daran zu setzen, seinen Wählern zu beweisen, dass die Demokratie nicht funktionieren kann.

Es ist die Herausforderung jetzt, ihnen zu beweisen, dass sie es sehr wohl kann!


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26.09.17
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