Kein Mensch muss müssen. Gotthold Ephraim Lessing

Das Auge

„… ist ein Sinnesorgan zur Wahrnehmung von Lichtreizen“, sagt Wikipedia.“Es ist Teil des visuellen Systems und ermöglicht Tieren das Sehen.“ Doch ist das schon alles?

Augen schenken uns so unglaublich viel allein schon dadurch, dass sie es uns ermöglichen die Welt um uns nicht nur zu sehen, sondern auch zu begreifen, zu ergreifen und auszumessen. Wir verlassen uns oft mehr auf unsere Augen als auf irgendein anderes Organ. Wir beurteilen so viele Dinge nach ihren optischen Reizen, welche sie auf uns wirken … und damit meine ich nicht nur das andere Geschlecht.

Ein Arzt oder ein Ersthelfer klassifiziert den Schweregrad der vitalen Bedrohung des Patienten immer als erstes nach seinem äußeren Eindruck, seiner Haut- und Lippenfarbe, seiner Körperhaltung etc. Die Kunst der Malerei flößt uns nur mittels der Optik gänzlich unbekannte Gefühle ein und der Stummfilm sowie die Fotografie ließen die Menschen in völlig neue Welten eintauchen. Architekten beurteilen den Wert eines Planes nur mit den optischen Sinnen und wir wollen hier gar nicht von all den Berufszweigen reden, die nur deshalb entstanden sind, weil wir unser Äußeres an gewisse Normen bzw. Schönheitsvorstellungen anpassen wollen.

Doch reden wir mehr über das, was zwischen den Menschen passiert.

Ich kann mich an kein Mädchen erinnern, in welches ich mich irgendwann mal verliebt hätte, die keine offenen, besonderen, geheimnisvollen, fordernden oder verwirrenden Augen gehabt hätte. Der sog. „Augenaufschlag“ einer Frau, ihr Blick wenn sie geküsst werden möchte oder wenn ich mal wieder Grütze fabriziert habe … dies alles sind Emotionen die nur mit den Augen produziert, vermittelt oder hervorgerufen werden.

Eine Mutter wird aufblühen und vielleicht sogar vor Glück weinen, wenn ihr Baby sie das erste Mal richtig mit den Augen fixiert. Geschwister giften sich über den Esstisch nur mit den Augen an und „töten sich“ rein optisch. Teams, die schon lange Zeit miteinander arbeiten, verstehen sich quasi „blind“, das heißt dass oft nur ein Blick genügt und der Teampartner weiß exakt was zu tun ist.

Wer ist nicht schon einmal dahin geflossen, als ein Hund oder eine Katze ihn hungrig ansah. Auch hier findet eine Kommunikation statt, die weit über das bloße Ansehen hinausgeht. Hier vermittelt das geliebte Haustier nur mit Blicken seinen Wunsch oder seine Notwendigkeit, wenn der kläffende Vierbeiner mal für kleine Pelikane muss.

Ich liebe die Augen!

Sie sind das Tor von und zu unserer Seele.

Sie öffnen unsere Herzen und Seelen für geliebte Menschen und schließen es für gehasste.


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10.11.11
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