Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen. George Orwell

Darum bringt der AGB-Widerruf auf Facebook nichts

AGB-Widerspruch Variante 1

AGB-Widerspruch Variante 1

Facebook aktualisiert mal wieder seine AGB und wie bei einem Pawlowschen Reflex stürzen sich tausende User auf irgendwelche Beiträge, kopieren und teilen sie in der Hoffnung ihre privaten Ergüsse, geteilten Bilder, Verknüpfungen und Kommentare vor dem scheinbar widerwärtigen krakenartigen Zugriff der bösen bösen Facebookfahnder zu schützen.

Dabei missachten Sie, vermutlich mangels Kenntnis, dem alten Spruch aus der Marktwirtschaft:

Wer kein Kunde ist, ist die Ware.

Ein einfaches Beispiel soll diesen Spruch erläutern. In einer Physiotherapiepraxis gibt es einen Chef, einen Patienten und einen Physiotherapeuten. Kunde und Therapeut haben mit dem Chef einen Vertrag. Der eine hat einen sog. Arbeitsvertrag, der andere einen Kaufvertrag. Der Therapeut massiert dann den Kunden auf Basis seines Arbeitsvertrags. Der Kunde bezahlt dann den Chef auf Basis seines Kaufvertrags.

In diesem Beispiel ist der Kunde der Kunde. Aber was ist der Therapeut? Der ist, so hart das klingt, die Ware. Er und seine Dienstleistung werden vom Chef an den Kunden verkauft. Mehr nicht… und nicht weniger.

Zurück zu Facebook. Wer, glaubst Du, bist Du in diesem Setting? Der Chef? Der Kunde? Oder der Therapeut? Und was sind dann die AGB? Der Kaufvertrag oder der Arbeitsvertrag?

Fakt ist, dass Du der Therapeut bist. Jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass Du für Deine „Leistung“ nicht bezahlst wirst, sondern mit der Funktionalität von Facebook selbst entlohnt wirst. Und diese Funktionalität kannst Du auch nicht aushandeln. Du musst sie nehmen, wie sie ist.

Deine „Leistung“, also das Äquivalent zur Massage des Therapeuten, sind Deine Daten. Und zwar alle Daten die Du freiwillig und ohne Zwang gibst, inklusive aller Metadaten, Verknüpfungen, Texte, Bilder, Nachrichten und so weiter. Und so, wie der Chef mit der Leistung seines Therapeuten handelt, handelt Facebook mit Deinen Daten.

Der Arbeitsvertrag ist dann die AGB. Diese hast Du abgesegnet, mehrmals, immer wieder, bei jeder Aktualisierung.

Lieber Facebooknutzer, Du bist eine Ware! Deine Daten sind Ware. Deine Texte sind Ware. Deine Bilder sind Ware. Ware, mit welcher Facebook Geld verdient.

AGB-Widerspruch Variante 2

AGB-Widerspruch Variante 2

Die Kunden sind all die Werbetreibenden, die Apps und Anbieter von Produkten vielfältigster Art – nicht Du, Du bist und bleibst Ware.

In unserem Beispiel kann der Therapeut jederzeit Widerspruch gegen seinen Arbeitsvertrag einlegen, muss dann aber die Konsequenzen tragen und den Arbeitgeber wechseln, weil unser Chef ihm kündigen wird.

Bei Facebook kannst Du auch Widerspruch gegen die AGB einlegen, in dem Du sie nämlich nicht akzeptierst, was durch Facebook durch das Löschen Deines Accounts honoriert wird.

Du hast also zwei mögliche Optionen. Entweder, Du löschst Deinen Account und widersprichst damit den AGB, so wie Du es vielleicht mit Deinem Post bezwecken wolltest, oder Du lebst damit eine Ware zu sein, akzeptierst die AGB und chattest und flirtest und teilst weiter, was das Zeug hält. Gegen die AGB in einem Post zu widersprechen, dann aber weiter Ware sein zu wollen, ist jedoch völliger Humbug und fernab jedweder juristischen Realität.

In diesem Sinne … fröhliches Accountlöschen ;)


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05.07.16
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