Kein Mensch muss müssen. Gotthold Ephraim Lessing

Besser nicht regieren als falsch regieren … bitte wie?

Christian Lindner, der derzeitige, nicht unabsetzbare Oberguru der freien Demokraten, hat die Sondierungsgespräche mit den GRÜNEN und der CDU/CSU mit einem in meinen Augen epischen Satz einseitig für beendet erklärt. Zu einem Zeitpunkt, zu welchen die insgesamt vier Parteien wochenlang sich gegenseitig Geschenke gemacht haben (hinter den Kulissen) und gleichzeitig überall den starken Max markierten (vor den Kulissen) und ein Koalitionsvertrag bzw. dessen vorhergehende Verhandlung schon in Sichtweite lag, stellt sich Mister Germany vor die Kameras und sagt:

Besser nicht regieren als falsch regieren.

Und ich sage: „Bitte wie?“

Arzt: „Besser nicht therapieren als falsch therapieren.“

Dieser Satz trieft von Arroganz und Selbstüberschätzung, denn er bedeutet, dass alle anderen Gesprächsteilnehmer nicht regieren können. Denn rein logisch steht dieser Satz nicht alleine sondern muss natürlich fortgesetzt werden: „Besser nicht regieren als falsch regieren… und mit den anderen Parteien geht das nicht.“ Die anderen Parteien sieht Lindner als Hindernisse zu seiner glorreichen tiefschwarzen Null auf Kosten der Gering- und Mittelverdiener. Er sieht sie und die Kompromisse, die bereits gemacht wurden, als zu wenig, als nicht ausreichend um seine Unterschrift zu leisten.

Welcher Denke und welchem Narrativ folgt Lindner damit denn eigentlich? Entweder ihr tanzt nach meiner Pfeife oder ich sitze eingeschnappt in der Ecke! Und diese Denke kennen wir, nämlich von der AfD und noch schlimmer, der NPD. Die sagen auch ziemlich klar, dass eine Koalition mit dem oder dem nicht stattfinden wird, weil die Kompromisse zu groß wären. Kann man machen und ist sogar nachvollziehbar zum Teil. Schließlich sind deren Programme derart radikal, dass kaum eine andere Partei kompromissfähig wäre. Aber die FDP? Deren Programm besteht nur und ausschließlich aus neo-neo-ultra-neo-liberalem Geschwätz. Und wo kaum Inhalte vorhanden sind sollte doch jeder Kompromiss ein leichtes sein.

Roosevelt: „Besser Nazideutschland nicht angreifen als falsch angreifen.“

Oder liegt der Hase gar woanders begraben? Roch Lindner vielleicht den Gestank der Leichenfäule, die alle ehemaligen Koalitionäre mit Merkel umgibt? Er sagt selbst, dass man „mit knapp elf Prozent […] nicht den Kurs einer ganzen Republik diktieren“ kann (Quelle). Hat er letztlich Bammel, dass sein gerade erst hart auf dem Laufsteg ermodelter sogenannter Wahlerfolg von elf Prozent im Schein der Mama Merkel gnadenlos wegschmilzt, so wie es die Prozente der ehemaligen Koalitionäre taten?

Franklin: „Besser nicht Drachen steigen lassen als falsch steigen lassen.“

[Verschwörungstheorie] Und ganz zuletzt kann man doch die provokante Frage stellen, cui bono, also wem zum Vorteil gereicht das Schmierentheater? Zwei mehr oder minder große Parteien biedern sich bei der Merkel an und buhlen – scheinbar – um einen Platz an der Regierungssonne, obwohl irgendwie allen klar war, dass das mit den Akteuren nicht werden kann. Gleichzeitig spielt die SPD zum einen die beleidigte Leberwurst des Wahlverlierers (mit Schmolllippe und Krokodilstränen und allem drum und dran), zum zweiten den ach so kämpferischen Phönix, der natürlich die AfD daran hindern muss, die Opposition anzuführen, und zum letzten die schüchterne Prinzessin, die mit einem Auge und hinter vorgehaltener Hand gen Regierung blinzelt.

Könnte das alles ein Vorspiel sein, um entweder den WählerInnen die unliebsam gewordene große Koalition doch wieder schmackhaft zu machen? „Wir haben alles versucht, aber es hat nicht sollen sein – jetzt müssen wir halt in den sauren Apfel beißen.“ Oder hoffen die Damen und Herren Bonzen auf ein günstigeres Wahlergebnis in einem zweiten Durchgang, womöglich ohne die durch Protestwähler gepushte AfD? Hat Lindner hier vielleicht sogar den Buh-Mann gespielt?[/Verschwörungstheorie]



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24.11.17
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