Wie kann man nur irgend etwas essen, das Augen hat! John Harvey Kellogg

Alle Jahre wieder

Weihnachtszombie

Alle Jahre wieder staune ich über die prall gefüllten Regale in den Läden, den überaus verfrühten Verkauf von Weihnachtsgebäck bereits im Oktober, den genauso verfrühten Ausverkauf derselben Waren (schon mal versucht am 24. Dezember im Netto Spekulatius oder im Aldi Plätzchenzutaten zu kaufen?) sowie die vielen, seltsam anmutenden Anwandlungen meiner Mitbürger.

Noch viel verwunderlicher wird es aber, wenn man sich den einen oder anderen Fakt zu dieser Zeit einmal genauer ansieht. Schließlich wird gerade zur weihnachtlichen Zeit mit Floskeln und Sprüchen und Ritualien nur so um sich geworfen.

Weihnachten

Das Wort dieser Feier setzt sich aus ziemlich interessanten Bestandteilen zusammen. Denn der erste Wortteil „weih“ ist dem germanischen „wīʒja“ entlehnt (wīʒja, wīha für „heilig“) und speist sich aus einigen anderen indogermanischen, gotischen und nordischen Wortwurzeln. Das heißt, dass der entscheidende Teil des deutschen Namens eines christlichen Festes aus heidnischen Sprachen stammt.

Und in der Tat plädiert ein Teil der Forscher dafür, dass das Wort selbst aus dem heidnischen Kulturkreis stammt, liest man doch bereits 1538:

das dieser heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht…

Aber auch das Datum selbst lässt Raum für Verschwörungstheorien offen, ist doch in einer Randglosse des syrischen Kirchenschriftstellers Dionysius bar Salibi aus dem 12. Jahrhundert zu lesen, dass das Fest an die Stelle eines noch älteren Festes trat, welches die Geburt der Sonne feierte. War das vielleicht eine Taktik der Christen um die Missionierung heidnischer Völker zu erleichtern? Schließlich mussten diese sich dann nicht an neue Feierdaten gewöhnen – lediglich der Anlass änderte sich.

Der Weihnachtsbaum

… ist ein sooooo schöööner Brauch, der aber eigentlich mehr Ärger als Freude bereitet. Erst der Aufwand des Aufstellen und Schmücken, bei welchen selbst schon die Nerven blank und die Vasen auf dem Boden liegen. Dann folgt die immer wieder unfreiwillige Einladung vieler lustig gekleideter Männer, die beim Löschen des eigenen Häuschens helfend zur Hand gehen. Und zu guter Letzt verdrecken die fallenden Nadeln des sterbenden Baumes jede Wohnzimmerecke, die Katzen führen dank Spiellust zu wiederholenden Fallereignissen und der Abtransport des sich wehrenden Baumes gerät zur sicheren Quelle von Verletzungen und Ärger.

Die Quelle dieses Brauches ist hierbei schwer zu eruieren. Fakt ist, dass schon immer Bäume in allen Regionen, erst recht in den heidnischen, zu bestimmten Anlässen entwurzelt und, oder geschmückt, umtanzt oder anderweitig in das Zentrum der Aufmerksamkeit gestellt wurden.

Der Brauch des Weihnachtsbaumes kann also unter keinen Umständen rein christlichen Ursprungs sein. Eieiei! Siehe Verschwörungstheorie oben.

Der Weihnachtsmann

Im deutschsprachigen Raum hält sich ein Gerücht äußerst hartnäckig. Diesem Gerücht nach erfand die Coca-Cola Company den knuffig dreinschauenden alten Mann mit dem weißen Bart und dem roten Mantel. Tatsächlich sind derartige Darstellungen des personifizierten Schenkebringers und Ruteschlägers bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt.

Interessant ist jedoch, dass der Weihnachtsmann eine umgekehrte Entwicklung erlebte, wie es der christliche Gott tat. Letzterer entstammt ja dem jüdischen Gott, welcher belohnte und bestrafte. Während der jüdische Gott also Heilsbringer und Bestrafer in einer Person war, sahen die Christen ihren Gott mehr und mehr als absolut guten Gott und sanftes Wesen. Geschah etwas schlechtes oder böses, dann war dies das Handwerk eines neuen Gegenspielers – dem Teufel, Satan, Luzifer …

Das Vorbild des Weihnachtsmannes, welcher ja ebenfalls Gaben und Strafe bringt, teilt sich nämlich in zwei Personen. Der Erste wäre St. Nikolaus, welcher die braven Kinder mit Geschenken belohnt und in allen Quellen als das absolut Positive bezeichnet wird. Im Gegenzug dazu gab es da noch den Knecht Ruprecht, welcher den Gegenpart übernimmt und die bösen Kinder bestrafte.

Unabhängig allen Geblogges

wünsche ich allen Lesern eine vor allem angenehme und stressfreie Zeit. Obwohl ich selbst dieses Fest mangels Glaube nicht feiere und mich stattdessen jedes Jahr freiwillig in den Dienstplan einschreibe, hoffe ich, dass ihr da draußen das Fest, das Zusammensein mit euren Familien und Freunden und die kurze Auszeit genießen könnt.

In diesem Sinne ende ich mit einer Kuriosität der deutschen Bürokratie:

In der Berechnung des Hart-4-Satzes gehörte der Weihnachtsbaum bis 2010 zum Posten „Schnittblumen und Zimmerpflanzen“. Dieser Posten wurde zum 1.1.2011 gestrichen.


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23.12.12
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