Wie kann man nur irgend etwas essen, das Augen hat! John Harvey Kellogg

3 ältere Gedichte – doch aktuell

Vor einigen Jahren schrieb ich einige Gedichte, von denen ich heute endlich drei veröffentliche. Das Interessante dabei ist, dass ich sie damals ohne Adressat schrieb, ohne auslösenden Anlass. Ich schrieb sie damals aus einer Laune heraus. Noch viel interessanter ist, dass jedes der Gedichte nach ihrer Entstehung dann irgendwann aktuell wurden und exakt das aussagten, was ich dann in diesem viel späteren Moment empfand.

War das dann prophetisch? Heißt das, dass wir imstande sind zukünftige Ereignisse und Entwicklungen des Lebens zu antizipieren? Oder ist es ein Fall von „self fulfilling prophecy“ – selbst erfüllender Prophezeiung? Habe ich unbewusst darauf hingewirkt, dass die Inhalte der Gedichte sich erfüllten? Oder ist das ein Beweis für die breite Interpretationsmöglichkeit von Texten im Allgemeinen?

Was immer es auch ist – hier sind die Gedichte.

Der Vogel

Wie ein Vogel überm Meer,
ein Schatz gefunden, mangelleer,
kein Moment am Mittelpunkt,
grenzenlos, die Liebe funkt,
hoch hinaus, mit stolzer Brust,
ohne Furcht, Hass und Frust,
fliegt der Vogel rasch zu ihr,
am Baum, erspähend, ihre Tür,
kurze Zeit die Liebe spüren,
Liebe nehmen und verführen,
sanft sie streicheln, streicheln spüren,
ohne Angst sie zu verlieren,
wissen, zögernd, dass Abschied soll,
weiß er, dass er lassen muss,
noch lang nicht voll, das Liebessoll,
ein Schatz verloren, mangelvoll,
auf dem Weg zum Mittelpunkt,
„Adé, adé“ das Schicksal funkt,
er will, er kann, er wird nicht ohne,
bis bald, Du Liebste, in des Baumes Krone.

Des Jungen wagemütiger Disput mit Dir

Warum schreibe ich ein Gedicht an Dich
ohne es Dir vorzulegen
Warum beginne ich eine Beziehung mit Dir anzustreben
Warum ist mein Herz im Taumel begriffen
wenn Du des Abschieds Ferne nimmst
Warum sehne ich mich nach Deiner Nähe des Nachts
Warum sage ich Dir
der Gedanke nur
der machts
Warum suche ich Dich, pausenlos und
übersehe Dich in Gedanken an Dich schwelgend
Ich weiß nur eines
Wenn ich sagen müsste Deine Wirkung auf mich:
Mein Schmerz geht,
wenn Dein Lachen ihn vertreibt,
Mein Schmerz bleibt weg,
wenn ein Lächeln nur bleibt.

Ambivalenz

Sanftes Streicheln spüre ich
auf Armen, Brust, Rücken, Gesicht,
ich fühle es, als wär’s real,
alles dunkel, komplett egal.
ein schöner Traum, diese Nacht,
hat mich süchtig nach Dir gemacht.
Gier, Lust und Einsamkeit,
und sie gehen Hand in Hand,
verlor’ner Verstand,
unerreichte Glücklichkeit.

Wo die Front der Logik grenzt,
jede Stunde ohne schmerzt,
der Körper sich nach Dir verzehrt,
die Seele Dich zum Himmel ehrt,
und die Hände nach noch mehr gieren,
da ist die Angst, Dich zu verlieren.


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01.08.14
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