Kein Mensch muss müssen. Gotthold Ephraim Lessing

2012 und Wohlwollen

Supergeiles Bild

Das Jahr 2011 neigt sich nun unweigerlich dem Ende zu und alle, auch wenn sie es vielleicht leugnen, ziehen ihr ganz persönliches Resümee des Jahres. 2011 war vordergründig ein aufwühlendes Jahr mit vielen Krisen, die auch noch anhalten, Skandalen und solchen, die keine waren jedoch von den Medien zu solchen gepuscht wurden – und mit dem arabischen Frühling, vielen Protesten weltweit und so weiter.

Doch wen das interessiert, der kann ja die vielen Jahresrückblicke im Fernsehen oder in den Hochglanzmagazinen studieren. Ich möchte zum Ende des Jahres über ein anderes Thema reden … und vielleicht findet sich der Eine oder Andere darin wieder oder kann daraus etwas mitnehmen.

Zu Beginn des Jahres schrieb mir eine vormalige Freundin ein paar Worte. Ich befand mich in einer persönlichen Krise und suchte an allen Ecken und Enden nach Halt. In dieser Phase schrieb sie mir folgendes:

Sie schrieb
Mach es einfach besser, und damit meine ich Wohlwollen. Nicht Testen oder Sticheln oder Macht ausüben oder bösen Willen unterstellen, einfach nur Wohlwollen.

Wohlwollen

Ein einfaches Wort. Doch je länger ich in 2011 darüber nachdachte umso vielschichtiger erschien mir die Sache, vor allem nachdem ich mich auf meine ethisch-philosophische Ausbildung besann und den alten Kant zu Rate zog:

„Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille. Fehlt es, können alle anderen Tugenden äußerst böse und schädlich werden.“

Wohlwollendes Handeln kann also nur dann existieren, wenn es unsere Handlungen und unseren Geist durchdringt und damit eine Maxime unseres gesamten Handelns und eben nicht nur eines Teils unseren Handelns ist. In jeder Beziehung, in der wir stehen, sei sie romantischer, freundschaftlicher, kollegialer oder beruflicher Natur, sollte Wohlwollen unsere Entscheidungen zum Handeln prägen und beeinflussen. Denn lassen wir den guten Willen nicht zur Maxime unseres Handelns werden besteht die Gefahr, dass sonst eherne Charakterzüge ins Gegenteil umschlagen und unserem Umfeld eben nicht zum Guten gereichen.

Doch was bedeutet das nun ganz pragmatisch? Und was hat das mit 2012 zu tun?

Mein Vorsatz für 2012 lautet: „Überprüfe Deine Handlungen, Deine Äußerungen und Entscheidungen daraufhin, welche Motivation ihnen zu Grunde liegt. Ist es am Ende aller Überlegungen kein guter Wille, dann unterlasse sie einfach und setze von neuem an.“

Das bedeutet:

  • Bescheidenheit – und eben kein egozentrisches, auf den Vorteil gerichtetes Denken
  • Freundlichkeit – zu Fremden, zu Kollegen und zu Freunden
  • Kompromissbereitschaft – und damit der Wille zu einem harmonisches Miteinander
  • Empathie – das heißt, einfühlsam mit den Menschen des Umfelds umgehen
  • Sympathie – als Resultat der Empathie …. aber auch
  • Antipathie – als ehrliche Einsicht einer persönlichen Abneigung

Dies bedeutet jedoch nicht:

  • Selbstaufgabe – als maßlose Bescheidenheit
  • Betrug im Verhalten – zum Beispiel die sog. „Scheißfreundlichkeit“
  • Selbstverleumdung – und damit bedingungsloses Abrücken vom eigenen Willen
  • Nichtakzeptanz – aus falsch verstandener Antipathie

Diese generellen Vorsätze sind schon eine ziemliche Menge und ihre konsequente Umsetzung ist eine enorme Herausforderung, denke ich. Gerade der manchmal öde Alltag kann vergessen lassen, was Wohlwollen bedeutet.

Doch und vor allem in der Beziehung zum Partner ist Wohlwollen eine wichtige Sache. Viel zu häufig basieren Beziehungen lediglich auf den Egos ihrer Partner. So sucht der Eine vielleicht mehr Selbstbestätigung in der Partnerschaft oder der Andere im Grunde nur sexuelle Befriedigung. Oder aber die Partner genügen mehr ihren gesellschaftlichen Normvorstellungen oder dem Willen „nichts zu ändern“, das Gewohnte nicht zu unterbrechen.

Wohlwollen in einer Partnerschaft jedoch macht selbige erst wertvoll und einzigartig. Denn sie vermeidet „falsche“ bzw. ungünstige Motivationen. Will man dem Partner nur gutes, dann öffnen sich unglaubliche viele Türen – und einige verschließen sich. Das Miteinander in der Beziehung wird automatisch harmonischer, das „Ich“ tritt in den Hintergrund und macht unweigerlich dem „Wir“ Platz. Machtspielchen, (böswillige) Sticheleien, egozentrische Streitereien und seltsame Beweggründe gehören mehr und mehr der Vergangenheit an und die Belange der Beziehung und des Partners rücken mehr und mehr in den Mittelpunkt des eigenen Handelns. Denn das eigene Glück hängt nun unmittelbar vom Glück des Anderen ab!

Sie schrieb
P.S. Für Wohlwollen gibt es noch ein anderes sehr schönes Wort: Es heißt Liebe.
In diesem Sinne wünsche ich im Namen der Blogger von Spottblog.de allen da draußen ein glückliches und wohlwollendes Jahr 2012!

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26.12.11
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