Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben. Leo Tolstoi

10 Thesen zur Arbeit

Arbeit ist:

Die Arbeit […] erfasst alle Prozesse der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen mit der Natur und der Gesellschaft. Sinngeber dieser Prozesse sind die selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelnden Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Anschauungen im Rahmen der aktuellen Naturgegebenheiten und gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen.

Das Wort „Arbeit“ wurzelt auf verschiedene alte Worte. Das germanische arbaiþis, das gotische arbaiþs, das althochdeutsche arapeit und die mittelhochdeutschen arebeit, arbeit bedeuten alle etwa Mühe, Beschwernis, Leiden. Das lateinische arvum bedeutet Ackerland (bzw. Ackerland bearbeiten).

Und doch ist Arbeit weit mehr, als Leiden oder einen Acker bewirtschaften. In der Moderne wird der Begriff der Arbeit täglich tausendmal angestrengt, doch selten in einer Form, wie es sein sollte bzw. könnte. Daher folgen 10 Thesen zur Arbeit, welche den Begriff der Arbeit ideologisch umschreiben sollen.

1. Jede Arbeit kann nur freiwillig verrichtet werden.

Eine Arbeit, welche nicht aus freien Stücken und aufgrund immanenter Motivation verrichtet wird, ist keine Arbeit, sondern Sklaverei. Dies beinhaltet auch die Nötigung zur Arbeit mittels Androhung gesellschaftlicher oder finanzieller Nachteile. Das heißt zum Beispiel, dass ein Jobcenter, welches Sozialleistungen kürzt, da eine Arbeit nicht angetreten wurde, zum Sklaventreiber mutiert und damit gegen die Menschenrechte verstößt.

2. Krankheitsfördernde Arbeit muss verboten oder geteilt werden

Eine Arbeit, welche gesellschaftlich unabdingbar ist, die jedoch durch ihre Eigenschaften krankheitsfördernd ist, muss auf die Schultern einer genügend großen Anzahl von Menschen gelastet werden. Dies beinhaltet auch sog. Schichtdienste, welche nachweislich krankheitsfördernd wirken. Eine krankheitsfördernde Arbeit, welche keine gesellschaftliche Relevanz hat, muss verboten werden. Dies betrifft auch die krankheitsfördernde Wertschöpfung mittels Menschen, obwohl es ersetzende oder schützende Technologien gibt.

3. Leistungslose Arbeit ist keine Arbeit

Eine Arbeit, welche keine messbare oder begründbare Leistung zum Inhalt hat, ist keine Arbeit und daher abzulehnen. Dies betrifft insbesondere den übergroßen Finanz- und Versicherungssektor. Der Handel mit Geld ist leistungslos, auch wenn argumentiert wird, dass erst dieser Handel die Realwirtschaft ermögliche. Arbeit muss eine reale Wertschöpfung oder Werterhaltung zum Ziel haben, andernfalls ist sie zu nichts nutze.

4. Maschinenarbeit muss besteuert werden

Eine Arbeit, welche vormals von 10 Arbeitern verrichtet wurde, in der Folge der technologischen Entwicklung jedoch nur noch von einer Maschine erledigt wird, muss den ehemaligen 10 Arbeitern das Leben finanzieren. Andernfalls ist Maschinenarbeit Schwarzarbeit und fördert nicht das Allgemeinwohl sondern lediglich die Bereicherung der Maschinenbesitzer.

5. Arbeit darf nicht besteuert werden

Die sog. Einkommenssteuer, welche das durch Arbeit erwirtschaftete Einkommen natürlicher Personen besteuert, muss verboten werden. Es ist in der modernen Zeit der Fremdversorgung unabdingbar, dass Menschen arbeiten um zu überleben. Daher ist eine Besteuerung der Arbeit, welche Grundlage eines jeden Gesellschaftssystems ist, kontraproduktiv, da sie die Basis der Wirtschaft und der Gesellschaft empfindlich stört. Eine Steuer, welche ihre eigene Quelle auffrisst ist wie eine Katze, die sich in den eigenen Schwanz beißt.

6. Pflege und Erziehung sind Arbeit

Eine Arbeit, welche zum Inhalt hat den eigenen Nachwuchs zu erziehen und zu fördern oder die eigenen Eltern zu pflegen, ist nicht nur eine vollwertige Arbeit, sondern die als edelste und hochwertigste anzuerkennende Tätigkeit, und muss als solche bezahlt werden. „Arbeitgeber“ ist in diesem Fall der Staat, in seiner Funktion als Repräsentant des Volkes.

7. Der Fortschritt soll die Menschen von Arbeit befreien

Der technologische Fortschritt hat zum Ziel, durch Rationalisierung und Automatisierung, die Menschheit von Arbeit zu befreien. Diese Entwicklung ist die Lehre aus 300 Jahren Industrialisierung. Arbeitslosigkeit ist demnach nicht als Problem, sondern als Erfolg zu werten. Ein heutiger Arbeitsloser ist nicht mehr arbeitslos aus charakterlichem oder anderweitigem individuellen Mangel, sondern aus dem Fakt heraus, dass seine Arbeitskraft nicht mehr für die Produktion der Güter für alle Menschen notwendig ist. Vollbeschäftigung ist daher ein Konstrukt der Vergangenheit und kann aus dem politischen Vokabular gestrichen werden.

8. Ziel jeder Arbeit ist die Fremdversorgung

Eine Arbeit, welche das Leben oder die Lebensqualität anderer sichert, ist als Gut zu betrachten. Eine Arbeit, welche das Leben oder die Lebensqualität anderer vernichtet, ist abzulehnen. Ausschlaggebend ist hierbei das Endprodukt bzw. der endgültige Inhalt der Dienstleistung. Damit ist zum Beispiel jedwede Waffenproduktion und Waffenhandel abzulehnen.

9. Arbeit muss überall möglich sein

Ein ausländischer Arbeiter muss genauso viel Wert sein, wie ein inländischer Arbeiter, wobei die Definition, was ausländisch und was inländisch ist, abhängig des jeweiligen Staates ist. Das heißt, dass insofern die sprachliche Barriere es zulässt, jeder überall in seinem Beruf arbeiten dürfen muss. Die internationale Differenz der Abschlüsse muss angeglichen werden. Die Wahl des Arbeitsortes muss frei sein und die Lebensstandards sowie die gesetzlichen Gegebenheiten müssen angeglichen werden.

10. Arbeit muss ernähren

Eine Arbeit muss den Arbeitenden in vollem Umfang ernähren können sowie seine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben vollumfänglich ermöglichen. Eine Arbeit, deren Verdienst dies nicht gewährleisten kann, ist abzulehnen.

Anmerkung 1

Das Dilemma der Besteuerung von menschlicher Arbeit bzw. von Maschinenarbeit kann umgangen und gelöst werden, insofern die Besteuerung der Wertschöpfung erst zum Ende des Prozesses eintritt. Das heißt, dass die Produktion von Gütern bis zum Endkunden gänzlich unbesteuert bleibt und erst am Ende, wenn die Wertschöpfung durch den Verkauf an den Kunden ihre Vollendung findet ein genügend hoher Steuersatz aufgeschlagen wird. Dadurch wird menschliche und maschinelle Arbeit exakt gleich versteuert, wodurch die Personalflexibilität eines Arbeitgebers erhöht wird.

Anmerkung 2

Dass Arbeit ernähren muss ist bereits gesagt. Die Theorien des sog. „Bedingungslosen Grundeinkommens“ teilen hierbei den Erwerb eines Menschen in Grunderwerb und Arbeitserwerb. Während der Grunderwerb die Bereiche „Lebenserhalt und gesellschaftliche Teilnahme“ absichert, ist der Arbeitserwerb als eine Art „Arbeitsbonus“ zu verstehen. These 10 wäre damit also bereits ohne Arbeit erfüllt. Aber dazu später mehr.


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31.10.12
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